Tagebuch: Leben in México

In diesem Tagebuch möchte ich euch über meine Zeit als Expat in San Luis Potosí berichten. Über vieles werdet ihr schmunzeln, einiges wird euch aber sicher zum Nachdenken anregen.

16.12.2018 – Bald ist Weihnachten – ab an den Strand!

Wieder drei Wochen vergangen seit dem letzten Eintrag – die Zeit rennt hier aber auch… . Die Arbeit hat vom Stressfakter nochmal ganz schön zugelegt (hatte gedacht, dass das eigentlich schon gar nicht mehr möglich sei) und an Feiertagen und Samstagen wurde zum Teil auch wieder gearbeitet. Aber: Bald ist erstmal Schluss – wir haben uns alle eine Pause verdient – und so gehen die meisten in der kommenden Woche in Urlaub. Das Wetter hat sich auch ein wenig geändert – es ist Winter in San Luis Potosi, d.h. tagsüber erreicht man immer noch um die 20 Grad Celsius, jedoch wird es nachts sehr kalt – teilweise sogar um die Null Grad. Das wäre prinzipiell kein Problem – aber wie ich euch schon berichtet habe, haben die Häuser hier keine Heizung (d.h. Elektrolüfter kaufen, etc.). Zusätzlich haben die Häuser absolut keine Dämmung und meist Fließenfußböden – daher ist es derzeit zu Hause ar…kalt. Es ist sogar in der Wohnung immer deutlich kälter als draußen – dafür kann man auf der Terrasse noch ein wenig Sonne tanken (Dunkelheit, Schnee und bibbernde Kälte vermisse ich nicht von Deutschland^^).

Was habe ich in den letzten Wochenenden so gemacht? Eigentlich gar nicht so viel – ein Wochenende war ich mit zwei Kollegen in Puebla, einer Stadt ca. 5-6h von hier entfernt. In Puebla war ich 2012 schon einmal – dort gibt es die größte Pyramide der Welt (vom Volumen her). Auch ist Puebla eine extrem weit entwickelte Stadt mit tollen Parks, Restaurants und Shops – da möchte man gar nicht mehr nach SLP zurück. Die beiden weiteren Wochenenden habe ich ausgeruht und entspannt bzw. an Weihnachtsfeiern teilgenommen. Mittlerweile ist die dritte Weihnachtsfeier vorbei – einmal mit Hauptabteilung, einmal mit Abteilung und einmal für die ganze Firma. Teilgenommen habe ich nur an der Feier der Abteilung, welche leider draußen stattfand in einer sehr kalten Nacht (sodass alle sehr zeitig nach Hause gingen). Gestern haben wir es dann zum Jahresausklang nochmal richtig krachen lassen und auf meiner Terrasse gegrillt. Der Versuch, die Reste der Weihnachtsfeier aufzubrauchen, scheiterte zwar, jedoch war es dennoch eine der schönsten Parties dieses Jahres. Die Sonne schien und es war relativ lange warm.

Ab Donnerstag habe ich dann auch frei und werde versuchen, weitere Artikel von den letzten Reisen zu schreiben – ich glaube, ich werde nie fertig :D. Ein Strandbesuch ist für die Weihnachtszeit auch angedacht – aber lasst euch überraschen. Ansonsten habe ich mir eine Drohne gekauft und werde dann vielleicht den ein oder anderen Bericht in Zukunft mit tollen Videos aufhübschen können. Ich hatte den Kauf schon lange vor, jedoch konnte ich mich einfach nicht zwischen zwei verschiedenen Modellen entscheiden (Mavic Air* und Mavic Pro Zoom*). Schlussendlich ist es die Air geworden, da mir Zoom, ein wenig besseres Bild (sieht man bei Youtube eh nicht) und etwas längere Flugzeit keine 700€ mehr wert waren. Übrigens ist Elektronik in Mexiko sehr teuer – Alternativen sind in den USA zu kaufen (Amazon verschickt von dort nach Mexiko – jedoch kommen Zollgebühren drauf); jemand fragen, der an der Grenze wohnt (kostet aber auch extra) oder in Deutschland bestellen und von einem der nächsten Kollegen mitbringen lassen.

 

25.11.2018 – Playa del Carmen, Mexiko-City, San Miguel de Allende (Dia de los Muertos)

Puh, fast einen Monat kein Update geschrieben…na dann wird es Zeit: Die letzten Wochen waren wie immer stressig, aber auch gefüllt von tollen neuen Reisen und Abenteuern. In der Woche des Dia de los muertos (Tag der Toten) lud mich mein Spanischleher zu einer Tour durch die Stadt ein. Wir schauten gemeinsam mit anderen Schülern einige bunte Altare an, waren im Museo de la Mascara (Maskenmuseum im Zentrum von San Luis Potosí) und im Anschluss ein Bier trinken in der Piqueria Mezcaleria.

Am darauffolgenden Freitagabend wollte ich nach der Arbeit eigentlich direkt nach San Miguel de Allende zum Umzug (dort waren wohl auch viele Menschen ganz toll geschminkt) – ich musste aber Samstag arbeiten und fuhr daher erst am Samstagabend in die Stadt. Es regnete und es fanden keine Events zum Dia de los muertos mehr statt – schade… . Immerhin konnte ich nochmal ein schönes Bild der Kathedrale machen:

San Miguel Allende

 

Vom 09.-11.11. war ich mit einem Kollegen in Mexiko-Stadt. Er kannte die Stadt noch nicht und so machten wir eine Sightseeing Tour durch die Innenstadt, vorbei am Palacio de bellas artes über den Zocalo zur Kathedrale, schauten in Xochimilco vorbei und besuchten Coyoacan. Am Sonntag waren wir noch bei Castillo im Bosque Chapultepec. Diese Stadt ist einfach toll – ich war nun mittlerweile schon über zehn Mal dort und entdecke immer noch überall neue Dinge. Einen großen Artikel werde ich euch bei Gelegenheit noch schreiben.

Am 19.11. war endlich mal ein Feiertag und so nutzte ich das lange Wochenende (nahm auch noch Freitag frei) und reiste mit Kollegen nach Playa del Carmen. Da war ich zwar schon Mal, aber es gibt so viel zu entdecken, dass ich auch in Zukunft immer mal wieder vorbeischauen werde. Umso besser, dass es jetzt Direktflüge von San Luis Potosí aus gibt. In diesem Kurzurlaub war ich erneut in Tulum und Playa del Carmen. Neu dazukommen ist jedoch ein Besuch von Chichen Itza (sehr beeindruckend) und Isla Mujeres (ein wenig überlaufen). Bericht werde ich schreiben, wenn ich dazu komme. Einen Vorgeschmack kann ich euch hier aber schon mal geben (es fehlen auch noch die weiteren Berichte zu den Bahamas, Real de Catorce und Mexiko-Stadt…).

Ansonsten vergeht die Zeit wie im Flug. Vor kurzem war es mal richtig kalt über Nacht – das Auto vom Kollegen zeigte -2°C an. Ich hatte an dem Tag Home Office und fror mir den A… ab. Die Häuser hier haben ja keine Heizung – sicherheitshalber habe ich mir einen kleinen Elektrolüfter gekauft. Sollte es wieder kalt werden, werde ich auch ins viel kleinere Gästezimmer ziehen. Aber derzeit hat es sich wieder ein wenig erholt und die Temperaturen betragen um die 25 Grad tagsüber und 12-16 Grad Nachts.

Story: Besser zeitig Bescheid sagen, wenn das Gas dem Ende zu geht

Freitag vor zwei Wochen prüfte ich den Füllstand meines Gastanks (wird in Mexiko meist auf dem Dach installiert, die nehmen hier Gas zum Kochen, für den Trockner und zum Wasser heizen) – er  zeigte nur noch 5% Inhalt an. Ich rief sofort meinen Hausmeister an, er solle die Firma zum Befüllen vorbeischicken. Er wolle sich kümmern, sagte er, und natürlich hörte ich bis Montag nichts von ihm. Also sagte ich ihm erneut Bescheid. Dieses Mal kümmerte er sich wirklich und die Kollegen wollten Mittwoch 19 Uhr hier sein. Wie zu erwarten, war 19 Uhr niemand da. Also wartete ich noch eine Weile und ließ meinen Hausmeister nochmal anrufen. Die Jungs mit dem Gas-Truck wären noch bei weiteren Leuten und würden spätestens 21 Uhr vorbeikommen. Auch 21 Uhr kam niemand. Also fragte ich erneut beim Hausmeister nach – er fand es sehr seltsam, dass er die Firma nicht mehr erreichen konnte (die waren in Feierabend gegangen). Zum Glück kam der Truck dann aber zwei Tage später (die Anzeige stand bereits kurz vor 0% – notfalls wäre ich dann ins Fitnessstudio zum Duschen gefahren^^).

 

Story: Arbeiten geht auch ohne Laptop

Ebenfalls vor etwa zwei Wochen besuchte ich 10 Uhr einen mexikanischen Kollegen in der Arbeit an seinem Platz. Ich wollte, dass er mir einen Einkaufswagen im System öffnet (wir hatten etwas bestellt). Er meinte nur, dass er das nicht kann. Ich fragte nach, warum nicht, und erzählte mir, dass er Probleme mit seinen Laptops (er hat drei für die Arbeit) hatte und alle drei gleichzeitig der IT zur Verbesserung gegeben hatte. Auf meine Frage, was er seit 7 Uhr in der Arbeit gemacht hat, konnte er mir keine richtige Antwort geben.

28.10.2018 – Real de Catorce, nochmal Queretaro und mexikanisches Zeitgefühl

Moin moin, schon wieder zwei Wochen vergangen seit dem letzten Eintrag. Was ist in Zwischenzeit geschehen? Vergangenes Wochenende war ich zum 50. Geburtstag des Vaters von einem Arbeitskollegen in Queretaro eingeladen. Die Feier fand auf einer großen Hacienda statt, eingeladen waren über 100 Personen. Es gab Live-Musik, gutes Essen und gute Getränke – so eine große Hacienda sollte sich jeder mal anschauen, wenn er in Mexiko ist, schon beeindruckend. Im Anschluss waren wir erneut im tollen Restaurant Tikua Sur Este und danach im Club Margarita Blue in Juriquilla, etwas außerhalb Queretaros. In der gleichen Woche war ich am Mittwoch mit Kollegen im baskischen Restaurant Lauburu. Das Essen war gut und der Hauswein super, jedoch bin ich kein allzu großer Fan von den sehr kleinen Portionen, von denen man sich dann etliche bestellen muss (ähnlich Tapas).

Dieses Wochenende war ich mit einem Arbeitskollegen in Real de Catorce – einer sehr berühmten Geisterstadt im Norden von San Luis Potosí. Man erreicht die Stadt nur durch einen Tunnel (oder mit Jeep über eine schlechte Straße). Es gibt nicht allzu viel zu sehen, jedoch ist die Landschaft sehr toll. Wir haben einen Ausflug zu Pferd unternommen. Ein ausführlicher Bericht kommt noch.

Kommende Woche findet Dia de los Muertos statt (Tag der Toten). Die Mexikaner gedenken bei diesen bunten Feierlichtkeiten der Verstorbenen. Die Vorbereitungen für das Festival laufen schon seit Mitte Oktober. Am besten feiert man in Morelia oder Xilitla (hier heißt das Festival Xantopo). Aber prinzipiell finden in fast allen Städten Feierlichkeiten statt, da Dia de los Muertos extrem wichtig für die Mexikaner ist. Am Mittwoch werde ich mir einige Altare anschauen euch dann Bilder hochladen.

Story: Mexikaner – Verbindlichkeiten und Zeitgefühl

Verbindlichkeiten gibt es für die meisten Mexikaner nicht, man lebt ein wenig in den Tag hinein. Am besten kann man das auf der Arbeit beobachten: In Deutschland bittet man einen Kollegen, etwas zu tun. Antwortet dieser mit Ja, kann man eigentlich davon ausgehen, dass die Sache erledigt wird. Falls er es derzeit nicht schafft, sagt er in der Regel, wann er dazu kommen wird. In Mexiko bekommt man meist die Antwort „ahorita“ (gleich) oder „mañana“ (morgen), was bedeutet, dass es wahrscheinlich nicht gemacht wird (wobei es bei „ahorita“ noch Chancen gibt, bei „mañana“ wird es definitiv nicht gemacht). Die Arbeit macht das nicht wirklich einfacher – regelmäßig, fast täglich, muss ich Mitarbeiter an Dinge erinnern, die sie noch machen sollten (dabei reicht E-Mail, Anruf oder Skype nicht, relativ häufig muss man an den Platz des Kollegen gehen und bestenfalls dabei zusehen, wie er die Aufgabe anfängt, was noch nicht heißt, dass er sie auch beendet). Ein weiteres Beispiel sind Reservierungen – mittlerweile haben wir zweimal ein Restaurant und einmal ein Hotel telefonisch reserviert (mit Bestätigung), nur um dann vor Ort festzustellen, dass keiner die Reservierung eingetragen hat. Auch hier gilt: Besser einen Tag vorher nochmal anrufen und nachfragen.

Am Wochenende hatte ich eine tolle Erfahrung mit dem mexikanischen Zeitgefühl: Ich war mit einem Arbeitskollegen in Real de Catorce und wir haben eine Tour zu Pferd für 350 Peso pro Person organisiert. Nachdem wir ca. eine Stunde mit einem Guide auf einen Berg geritten sind, meinte dieser, dass er uns für etwas mehr Geld eine noch viel tollere Tour bieten kann. Er wollte pro Person weitere 1000 Peso, was wir natürlich sofort auf ein Gesamtpreis von 1500 Peso für zwei Personen (inklusive der bereits geleisteten 350 Peso pro Person) runtergehandelt haben. Die erweiterte Tour sollte ca. 1,5h gehen. Nach einer weiteren Stunde, nach der ich bereits nicht mehr sitzen konnte, weil der Sattel für mich zu klein und die Steigbügel zu kurz waren, fragte mein Kollege, wie weit es noch sei. Der Guide sagte ihm, dass es noch sehr weit ist. Nach einer weiteren Stunde wurden wir ungeduldig, da wir am gleichen Abend noch zurückfahren wollten und fragten erneut. Es half nichts – aus 1,5h wurden am Ende 3,5h – wenn der Guide sagte, dass es noch eine halbe Stunde wäre, dann war es noch mindestens eine Stunde. Schlussendlich saßen wir als Ungeübte mehr als vier Stunden auf den Pferden – heute kann ich nicht mehr sitzen und habe Schmerzen am ganzen Körper… vielen Dank.

13.10.2018 – Zacatecas, Sportclub, gutes Wetter und wieder ein Oktoberfest

So, da bin ich wieder, etwas verkatert vom letzten Abend – wir waren erst im Mercadito in der Innenstadt (tolle Bar, open air, gute Musik) und dann im Rockabilly (ebenfalls in der Innenstadt, endlich wieder geöffnet, Club mit mehreren Floors, live Rock Musik). Vergangenes Wochenende war ich mit zwei Kollegen in Zacatecas, einer tollen kleinen Stadt etwa 2h nordwestlich von hier. Dort gibt es unter anderem eine Seilbahn, tolle Museen und einen Club in einer alten Mine. Der Reisebericht folgt, sobald ich Zeit habe.

Am Montag habe ich mich endlich in einem der großen Fitnessclubs angemeldet (so langsam werden die Folgen des guten mexikanischen Essen sichbar^^) – ich habe den La Loma Sports Club gewählt, da haben wir ein wenig Rabatt. Diese Clubs sind nicht mit Einrichtungen in Deutschland zu vergleichen – für ca. 80-100€ im Monat bekommt man Zugang zu Indoor- und Outdoor-Pools, Tartanbahn, Fußball-, Volleyball-, Tennisplätzen, Boxring, Teakwondohallen, Squashfeldern, Tanzkursen, Sauna, Dampfbad, Fitnessstudio uvm.. Die Anlage ist einfach gigantisch, zeig ich euch mal, wenn ihr mich besucht. Da Zeit aber wie immer der begrenzende Faktor ist, war ich diese Woche nur zweimal da (wobei ich beim zweiten Mal im Pool war und mich dann in die Sonne gelegt habe^^). Apropos Wetter – wir haben Oktober und immer noch bis zu 30 Grad Celsius tagsüber. Nachts kühlt es jetzt aber manchmal auf 12-14 Grad herunter. Wenn es jetzt immer noch so warm ist, freue ich mich schon auf den Winter – endlich nicht mehr frieren, wie in Deutschland :D.

Am Mittwoch waren wir mit der Abteilung Bowlen, in der Shopping-Mall Citadella gibt es ein Freizeitcenter (Alboa) mit Billard, Tischtennis, Bowling uvm.. Es hat viel Spaß gemacht – war quasi ein Event zum Abschluss der Qualifikation unserer mexikanischen Mitarbeiter. Im Anschluss war ich noch kurz bei meinem Lieblings-Tacorestaurant Taqueria los arandenses. Freitag haben wir dann mal wieder ein neues Restaurant an der Venustiano Carranza ausprobiert – Casablanca. Auswahl und Essen war preislich etwas über dem Durchschnitt, aber nicht so teuer wie z.B. Gran Central. Geschmacklich war es gut, aber ich habe schon besser gegessen (es gab Escamoles, Enchiladas Potosinas, Guacamole und Steak (Spargel als Beilage war super)). Das Ambiente des Restaurantes ist toll – Live Musik, Tanzsaal (da wurde später auch getanzt). Leider ist Live Musik in mexikanischen Restaurants immer so laut, dass man sich nicht unterhalten kann… .

Dieses Wochenende findet mal wieder ein Oktoberfest statt, genau wie an den letzten beiden Wochenenden und am ersten Wochenende im November – weiß nicht, ob das schon so war, bevor die ganzen Deutschen hier aufgetaucht sind.

Story: Mindestlohn und Versicherung

Liest man Reiseberichte über Mexiko klingt immer vieles nach Abenteuer und fröhlichen, kontaktfreudigen Menschen. Es scheint, dass die Leute hier glücklicher sind, als in anderen Ländern der Erde und einige Abenteurer verlieben sich in das Land und wandern gleich hierhin aus. Dennoch gibt es gigantische Probleme in Mexiko, allen voran die Armut. Ein Beispiel für das Leben hier möchte ich euch aus meinem direkten Umfeld berichten. Der mexikanische Mindestlohn liegt bei etwa 4,10€ – wohlgemerkt pro Tag, nicht pro Stunde! In der Produktion von Fabriken in der Umgebung verdient ein einfacher Bandarbeiter etwa 50-80€ pro Woche, die Arbeitszeit liegt bei ca. 48-50h (gesetzlich vorgeschrieben sind derzeit 48h pro Woche). Damit kommt er im besten Fall auf 320€ Verdienst pro Monat. In der Stadt kann man mit diesem Geld kaum leben, daher wohnen viele Arbeiter in den Siedlungen außerhalb der Stadt. Im Supermarkt sind die Preise für Lebensmittel mit Deutschland vergleichbar (kein Scherz), nur Obst ist i.d.R. etwas günstiger, da es von hier kommt. Der Liter Benzin kostet derzeit etwa 1€ (teurer als in den USA). Da könnt ihr mal überlegen, wie weit man mit 320€ pro Monat kommt. Aus diesem Grund fahren die Leute in der Regel alte und kaputte Autos, haben keine Versicherung und keine Altersvorsorge, können kein Geld zurücklegen und sind dankbar, dass der Lohn aller zwei Wochen ausgezahlt wird. Passiert mal etwas, z.B. ein Unfall, wird realtiv häufig Fahrerflucht begangen oder der Zusammenhalt in der Familie benötigt, um die Not zu beheben. Dennoch hat man das Gefühl, dass die Menschen hier glücklicher sind – das hängt meiner Meinung nach mit der Lebenseinstellung zusammen. Man macht sich einfach weniger aus den Widrigkeiten des Alltags, da man sie ohnehin nicht ändern kann. Man nimmt das meiste mit Humor und Gelassenheit und wurstelt sich irgendwie durch.

30.09.2018 – Oktoberfest und Geschichten von der Bank

Die letzten zwei Wochen vergingen mal wieder wie im Flug. Ich war ein wenig krank, hatte eine Erkältung, und habe daher an den Wochenenden nicht allzu viel unternommen. Immerhin habe ich für die Berichte zu Dolores Hidalgo und Querétaro Zeit gefunden. Außerdem habe ich einige exzellente Restaurants (von exzellent bis sehr gut: El México de Frida (mexikanisches Essen), Gran Central (Steak und Fisch), TrasHumante (mexikanisch/ausgefallen), einen Biergarten in Pozos (da gibt es deutsches Bier und deutsche Speisen) und einen relativ neuen Club (Rua in der Attus Plaza) besucht. Gestern fand das Global Beer Festival (Edition Oktoberfest) statt. Dieses Festival wird jedes Jahr im tollen La Loma Sport Club veranstaltet. Es gab Live-Musik, Unterhaltung, viele verschiedene Stände mit Essen und sehr viele verschiedene Sorten von lokal gebrautem Bier. Aufgrund der vielen deutschen in der Stadt findet man mittlerweile sehr viel Tracht auf dem Festival. Viele haben ihre Lederhosen und Dirndl rausgeholt – den Mexikanern scheint es zu gefallen. Für das kommende Wochenende habe ich mir Zacatecas vorgenommen, eine weitere sagenumwobene Silverstadt Mexikos und ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe, ihr dürft also auf den Bericht gespannt sein. Weiterhin möchte ich in den nächsten Wochen die Berichte vom Sommerurlaub in den wunderschönen Bahamas anfangen, es wird wieder viel zu lesen geben.

Story: Die Sache mit der Bank Teil 1

Da ich einen Teil meines Gehaltes in Mexiko bekomme, brauchte ich natürlich ein Konto bei einer mexikanischen Bank. Bei der Eröffnung half mir eine nette Dame von Expat Point, einer Firma, die Expats u.a. bei der Wohnungssuche und weiteren Dingen unterstützt. Die Bank der Wahl war Santander Mexiko und so eröffnete ich dort ein Konto. Da ich jeden Monat die Miete meiner Wohnung bezahlen muss, fragte ich gleich nach der Einrichtung eines Dauerauftrages. Der Mitarbeiter der Bank (offizielle Berufsbezeichnung: Expat Banker) versprach sofort Hilfe und wollte mir den Auftrag einrichten. Als ich nach der Dauer fragte, sagte er, dass maximal zwei Monate möglich sind, da viele Mexikaner von der Hand in den Mund leben und dann oft vergessen, dass automatisch Zahlungen abgebucht werden. Wozu zur Hölle gibt heißt es dann Dauerauftrag? Ich entschied mich also dazu meine Miete selbst zu überweisen. Hier erledigt man übrigens alles per Handy – Überweisungen, Kontostand abfragen, etc.. Dabei ist die App nicht wirklich übersichtlich gestaltet und bietet einige bescheuerte Beschränkungen (u.a. bekommt man E-Mail jedes Mal, wenn man etwas teures kauft oder Geld abhebt – am Wochenende wird jedoch der Kontostand nicht aktualisiert, sondern erst am Montag; auch kann man nur die letzten 20 Einträge in der App abrufen). Ende Juni wollte ich also zum ersten Mal das Geld für meine Miete überweisen und fand heraus, dass man außerhalb der Öffnungszeiten der Bank (Mo-Fr 8-18 Uhr) maximal 8000 Peso (400€) überweisen kann, sehr kurios. Weiterhin muss man, bevor man etwas überweise kann, das Konto es Empfängers erst registrieren. D.h. man gibt die Daten des Empfängers ein und wartet dann maximal einen Tag, bis man überweisen kann. Kurios, oder?

15.09.2018 – Die letzten Wochen und die Sache mit dem Klempner

Ende August bin ich nach vierwöchigem Aufenthalt in München und zwei Wochen Bahamas (Bericht kommt noch) nach San Luis Potosí zurückgekehrt. Im Vergleich zu Juni hat sich das Wetter ein wenig verändert – es ist nicht mehr ganz so heiß (tagsüber um die 25 Grad Celsius, nachts 12-18 Grad Celsius) und regnet am Abend und in der Nacht häufig. Der Regen sorgt schnell für überflutete Straßen und da der Asphalt hier ohnehin sehr glatt ist, muss man beim Fahren extrem aufpassen. Vorsicht auch bei tiefen Pfützen, sonst geht es euch wie einigen Kollegen, die mit ihren Autos liegengeblieben sind.

Letzte Woche war ich mit einem Kollegen in Dolores Hidalgo und Guanajuato. Dolores Hidalgo war neu für mich, wobei es dort nicht allzu viel zu sehen gibt (ein halber Tag reicht locker). Guanajuato kannte ich schon, jedoch zieht mich diese wunderschöne Stadt immer wieder in ihren Bann. Einen kleinen Reisebericht werde ich noch verfassen.

Dolores Hidalgo
Dolores Hidalgo – die Stadt bereitet sich auf die Feier zur Unabhängigkeit vor

 

Das aktuelle Wochenende steht ganz im Zeichen der mexikanischen Unabhängigkeit: Am 16.09.1810 markierte der Grito de Dolores (Schrei von Dolores) den Beginn des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges. Seit 1808 plante bereits ein Geheimbund um Ignacio Allende und Juan Aldama die Unabhängigkeit Mexikos. Miguel Hidalgo trat diesem Bund bei und man schmiedete einen Plan. Ihr merkt schon, die Städte hier in der Gegend haben alle etwas mit der mexikanischen Unabhängigkeit zu tun, die erst 1821 in Kraft trat: San Miguel de Allende, Dolores Hidalgo, Guanajuato, etc.. In meinen Reiseberichten zu den einzelnen Städten werde ich euch mehr zu diesem Thema berichten. Die Mexikaner sind sehr stolz auf ihr Land und diese Geschichte, daher wird am 15./16.09. ordentlich gefeiert. In jeder Stadt finden Events statt und wer Zeit hat, pilgert nach Dolores Hidalgo, der Schmiede der Unabhängigkeit. Da mich leider eine Erkältung erwischt hat, werde ich mir nur kurz das Treiben im Zentrum von San Luis Potosí anschauen, ein paar Fotos gibt es dann später.

Chiles en nogada
Chiles en nogada – süßes Nationalgericht in den Farben der mexikanischen Flagge – darf zur Unabhängigkeitsfeier nicht fehlen

Übrigens hab ich mir einen neuen Reiseführer für Mexiko gekauft. Es ist mal wieder ein Buch von Lonely Planet geworden – kaum Bilder, dafür umso mehr Text (und auf 973 Seiten kann man viel Text unterbringen). Die Restaurantempfehlungen haben sich schon ausgezahlt. Hier der Link*:

Story: Die Sache mit dem Klempner

Als ich in meine Wohnung hier einzog, gab es hier und da noch kleine Dinge zu reparieren. Unter anderem gab es einen schlechten Geruch im zweiten Badezimmer. Auch nachdem ich alles saubergemacht, den Waschbeckenabfluss gewechselt und einen Geruchsverschluss in die Dusche eingebaut hatte, verschwand der Geruch nicht. Also schrieb ich meinem Hausverwalter über WhatsApp. Er solle bitte einen Klempner schicken, der sich die Sache mal anschaut. Er antwortete mir, dass er da jemanden kenne und den gleich anrufe.

Leider bekam ich in den nächsten Tagen keine Antwort mehr von meinem Hausverwalter, also versuchte ich es drei Tage später noch einmal. Auch dieses Mal sagte er mir, dass er den Klempner anrufen wird und mir Bescheid gibt. Bis zum Wochenende kam erneut keine Rückmeldung. Langsam wurde ich ungeduldig. Also erneut angefragt – wann kommt der Klempner denn nun endlich? Und siehe da, ich bekam eine Antwort: Am Mittwoch um 17 Uhr wird der Klempner vorbeikommen.

Am Mittwoch verließ ich die Arbeit etwas eher und war 17 Uhr zu Hause. Ich wartete bis 17:30 Uhr, und niemand kam. Erneut rief ich den Hausverwalter an – wo bleibt der Klempner? Er sagte, dass der noch einen anderen Termin hätte und dass es dort länger dauert. Er kommt aber 19 Uhr auf jeden Fall. Ich ging also erstmal joggen… .

Natürlich war 19 Uhr wieder niemand da. Ich machte mir etwas zu essen und rief 20 Uhr erbost erneut an. Der Klempner wäre 19 Uhr da gewesen und hat geklingelt – keiner hätte geöffnet. Ich fragte ihn, ob er mich verarschen will, da ich zur Zeit zu Hause war und keiner geklingelt hat. Also fragte er nach – der Klempner ist etwas zu essen gefahren, er kommt in 15 Minuten vorbei.

20:30 Uhr klingelte es dann endlich. Zwei Typen um die 25 standen vor meiner Tür und wollten das Bad reparieren. Ich war mir ein wenig unsicher, da die beiden nicht wie Klempner aussahen (und auch kein Werkzeug dabei hatten), aber sie kannten den Namen meines Hausverwalters, er hätte sie angefordert und sie hatten von ihm auch einen Hausschlüssel bekommen (einige Reparaturen später stellte sich auch heraus, dass sie so ziemlich alles hier um Haus reparieren und auch die anderen Mietparteien die beiden kennen).

Ich ließ die beiden rein und sie meinten, dass der Spalt um die Toilette mit Silikon abgedichtet werden muss. Natürlich hatten sie kein Silikon dabei (warum sollte man als Klempner auch Werkzeug und Silikon mit sich rumtragen?). Sie wollten gleich noch zum Baumarkt fahren und welches holen. Ich fragte noch, wie lange der Baumarkt geöffnet hat, und sie meinten bis 22 Uhr (viva México:). Also ließ ich sie fahren, in der Hoffnung, dass die beiden in 15 Minuten zurückkommen.

Ich wartete bis 22:15 Uhr und keiner kam… . Schließlich rief ich den Hausverwalter wieder an und berichtete ihm erbost. Er wollte sich sogleich bei den beiden erkundigen. Nachdem er die beiden angerufen hatte, rief er mich zurück und meinte, dass sie nach Hause gefahren sind, da der Baumarkt geschlossen war… .

Am Wochenende kaufte ich eine Tube Silikon für 44 Peso (2€) und erledigte die Arbeit selbst.

Buchempfehlung* – falls ihr noch mehr faszinierende, aber auch schockierende Berichte aus Mexiko lesen möchtet:

09.07.2018 Querétaro

Wie schnell die Zeit vergeht…gerade angekommen, geht es schon wieder für vier Wochen in die Heimat nach Deutschland. Die letzten Wochen vergingen wie im Flug – einrichten der Wohnung, zurechtfinden und nebenbei arbeiten war ganz schön anstregend. Dennoch gab es Zeit für einen Wochenendtrip nach Querétaro, der Hauptstadt des gleichnamigen Staates. Die koloniale Altstadt wurde 1996 UNESCO Weltkulturerbe. Querétaro ist nur ca. 2h von San Luis Potosí entfernt, ähnlich groß und bietet eine ganze Menge an Sehenswürdigkeiten. Im Bericht erfahrt ihr mehr.

Queretaro
Queretaro – UNESCO Weltkulturerbe

 

 

18.06.2018 Wohnungssuche und die ersten Wochen in San Luis Potosí

Im Juni bin ich in meine Wohnung in San Luis Potosí gezogen. Die Wahl der Wohnung im April war alles andere als einfach, da ich mir selbst nicht so richtig sicher war, wohin ich denn eigentlich wollte. Da ich alleine wohnen würde, wollte ich etwas Leben in der Nähe haben, d.h. Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, … . Vielleicht sogar etwas in Laufnähe (wobei es sich mit dem Laufen hier ähnlich verhält wie in den USA – je weniger, desto besser). Ich habe mir 25 Wohnungen zeigen lassen, bevor ich drei in die Endauswahl nahm. Schlussendlich entschied ich mich für eine Wohnung in einem normalen Mietshaus im Stadtviertel Lomas 1. Dieses Viertel liegt in der Nähe eines kleinen Stadtparks (Parque Morales) und der Carranza Straße, die direkt zum Zentrum der Stadt führt. Das Viertel ist sehr beliebt, da es hier unzählige Restaurants und Bars gibt. Da ich alleine wohne, genau das richtige. Auf der Dachterrase des Hauses stellte ich gleich meine Hängematte auf, in der ich am Wochenende gelegentlich ein Buch lese.

Wohnung mit Blick über die Stadt in der Nähe von Miraville

Falls ihr auch nach San Luis Potosí wollt, dann hier eine Auswahl der besten Wohngegeneden:

Lomas 1 & Lomas 2: Zwischen Anillo Periferico und Parque Morales gelegen; durchsetzt von vielen Restaurants und Bars; beliebtes Viertel; gute Internetanbindung (hier gibt es Glasfaser); Häuser teilweise schon älter; hier kann man vieles zu Fuß erledigen

Lomas 3 & Lomas 4: Rund um die Calle Himalaya herum; etwas ruhiger als Lomas 1 & 2; auch hier gibt es viele Restaurants, die Plaza Covalia mit ihren Hotels und Restaurants lädt zum Zeitvertreib ein; gute Internetanbindung (je näher man an der Stadt ist, desto eher gibt es Glasfaser); Häuser teilweise schon älter; hier kann man vieles zu Fuß erledigen

Lomas del Tec: ruhigere Wohngegend auf dem Berg (leider viele Baustellen); die Wohnungen hier sind luxuriöser und neuer (bodentiefe Fenster, eigene Dacherrasse, etc.), weniger Restaurans und Bars (vor allem nicht in Laufnähe); um die Ecke befindet sich das große Einkaufszentrum Plaza San Luis; Internetverbindung deutlich langsamer hier (je weiter man auf den Berg kommt)

La Loma Residencial: Wohnen im Golfclub; abgeschlossene Wohnanalage; sehr ruhig; große Häuser (ideal für Familien), jedoch teuer (zumal man noch die Mitgliedschaft zahlen muss); keine Restaurants/Bars in Laufnähe, viele Sportmöglichkeiten; Internetverbindung langsam

Alpes (Miraville, etc.): ruhige und sichere Wohnanlagen; schöne Häuser, teilweise neu gebaut; hier kann man entweder im eigenen Haus oder in einem der Hochhäuser wohnen; Internetverbindung mittelmägßig, keine Restaurants/Bars in Laufnähe

Privadas de Pedregal (und weitere am Berg): Entlang Avenida Parque Chapultepec den Berg hinauf gibt es viele abgeschlossene Anlagen; die Anlagen weiter oben auf dem Berg sind neu (teilweie noch im Bau); ruhig, sichere Wohngegend, für Familien geeignet, keine Restaurants/Bars in Laufnähe; Internetverbindung mittelmäßig bis schlecht; in der Regel hat man ein eigenes Haus (es gibt auch ein paar Mehrfamilienhäuser)

Colinas del Parque: Wohnanlagen entlang Westseite Tangamanga Park; eigenes Haus oder Apartment möglich; sicher; Häuser teilweise schon älter, Bars und Nachtclubs in der Nähe (kann nachts etwas lauter sein); Einkaufsmöglichkeiten (z.B. Walmart, Sams Club) in der Nähe; gute Internetverbindung

Tangamanga: Stadtviertel nördlich Tangamanga Park, i.d.R. normale Mehrfamilienhäuser, aber auch einzelne abgeschlossene Anlagen; Restaurants, Bars und Einkaufsmöglichkeiten in Laufnähe (z.B. Citadella, Walmart), Park um die Ecke; gute Internetverbindung; Häuser schon älter

Viertel um die Avenida Venustiano Carranza (Del Valle, Tequisquaipan, Fundadoren, Polanco, etc.): i.d.R. Wohnungen in Mehrfamilienhäusern; viele Restaurants und Bars in der Nähe der Carranza, gute Internetverbindung (Glasfaser), viel Verkehr, weniger ruhig; Häuser schon älter

Villa Magna, Horizontes: Weiter von der Stadt entfernt; abgeschlossene Wohnanlagen, schlechte Internetanbindung; längerer Arbeitsweg; günstige Preise für komplette Häuser

Pozos: günstig, in der Nähe von BMW, GM und weiteren Firmen (kurzer Arbeitsweg); einige Wohnanlagen; in der Regel mietet man Häuser; wenig Restaurants/Bars, keine Schulen/Kindergärten

 

Ein paar Hinweise zur Wohnungssuche:

  • Die schöneren und sichereren Stadtviertel befinden sich im Südwesten der Stadt (leider auch die teureren). Das Zentrum würde ich euch aufgrund Verkehr, Lärm und zu alten Häusern nicht empfehlen. Alles nördlich des Boulevards Rio Santiago solltet ihr meiden aufgrund der Sicherheitslage. Auch die Gegenden östlich und südöstlich vom Zentrum, die noch zur Stadt gehören (Pozos ist bereits außerhalb der Stadt).
  • Neu heißt nicht immer gut: Neue Häuser sehen meist gut aus, leiden aber an Kinderkrankheiten (z.B. Undichtigkeiten, Probleme mit Wasseranbindung, langsames Internet, Schimmelbildung, etc.). Es kann besser sein ein Haus oder ein Apartment in einem Haus zu mieten, das es schon eine Weile gibt (dann weiß man, dass alles funktioniert).
  • Für Familien empfehle ich eine geschlossene Wohnanlage – hier gibt es meist Grünflächen und mehr Freilauf (z.B. zum Fahrradfahren oder Joggen) und man kann die Kinder auch mal unbeaufsichtigt im Garten spielen lassen.
  • Für Paare oder Singles empfehle ich ein Apartment näher an der Stadt (z.B. Lomas 1-4) – hier gibt es einfach mehr zu erleben und zu tun.
  • Wohnanalagen fühlen sich sicherer an, sind aber kein Garant für Sicherheit: Vor allem im teuren Golfclub gab es in der Vergangenheit wiederholt Einbrüche.
  • Schaut euch bei der Besichtigung alles genau an: Fragt nach der Geschwindigkeit des Internets (falls möglich, lasst euch einen Speedtest zeigen), testet die Warmwasserversorgung (stimmt der Druck; wie lange braucht das Wasser, um warm zu werden).
  • Lasst euch nichts einreden: Vor allem in Lomas del Tec gibt es viele Baustellen. Bei der Besichtigung wollte man mir einreden, dass die Bauarbeiter 17 Uhr fertig sind – ich war 20 Uhr mit dem Auto nochmal da – sie waren immer noch nicht fertig.
  • Stellt Forderungen: Die Mieten sind in der Regel deutlich überhöht (ihr kommt ja aus dem reichen Ausland) – stellt daher Forderungen (z.B. Installation einer Klimaanlage, etc.), diese können mit der Miete abgegolten werden.
  • Was wird zusätzlich geboten?: In einigen Wohnanlagen gibt es Fitnesstudios, Pools, Tennisplätze, etc.. Einfach nachfragen, war dazu gehört.

 

 

01.06.2018 Warum Mexiko?

„Mexiko? Ist das nicht gefährlich? Das ist doch das Land mit dem Drogenkrieg, der Korruption und Gewalt – warum willst du denn da hin?“, fragten einige Kollegen, als ich mich entschloss für eine Weile hier zu wohnen. Irgendwie erinnerte mich das an meine kurze Zeit in China: Vorher sagten mir so viele Kollegen, dass China schmutzig wäre und die Luft mich umbringt usw., am Ende war es dann aber alles viel besser als erwartet. Ähnlich verhält es sich mit Mexiko: Die meisten Leute kennen das Land nur aus den Medien, und dort verkaufen sich Drogenkrieg und Korruption nunmal besser. Aber viele Dinge über eine Kultur oder ein Land lernt man erst, nachdem man sich längere Zeit dort aufgehalten hat. Da reicht kein Blick in eine deutsche Tageszeitung, aber auch kein Blogeintrag über einen Backpacking Trip von Mexiko Stadt nach Puebla ohne ein Wort Spanisch zu sprechen (wie naiv kann man sein…). Aus meinen vielen Trips nach Mexiko wusste ich bereits, dass das Land viel mehr zu bieten hat als man in Zeitungen lesen kann – die netten Menschen, die wunderschönen Strände und Naturwunder, die Pyramiden und archäologischen Stätten, das gute Essen, die tollen Fiestas, die vielen Farben… . Dennoch ist es hier deutlich gefährlicher als in Deutschland und man muss seinen Lebenstil anpassen und Vorsorge treffen (dazu später mehr). Aber mal ganz ehrlich, die USA stehen in Sachen Gewalt nicht viel besser da und ihr würdet dort doch auch ohne Frage Urlaub machen, oder?

Bunter gehts nicht – Trajineras in Xochimilco (Mexiko-Stadt)

Als ich mich entschied, für eine Weile in Mexiko zu wohnen, wusste ich aber auch, dass nicht alles glatt laufen wird. Der Umzug in ein anderes Land ist immer mit viel Aufwand und Anstrengung verbunden. Nicht alles läuft so wie in Deutschland, vieles dauert in Mexiko länger, benötigt mehr Papierkram (ja, wirklich) oder ist einfach ganz anders als zu Hause. Das heißt aber nicht, dass es schlecht ist, es heißt nur, dass man sich darauf einrichten und vor allem darauf einlassen muss – denn neben einigen kleinen Widrigkeiten des Alltags kann man so viel Neues und Interessantes entdecken und auch hier sehr glücklich sein.

Teotihuacan - Sonnenpyramide
Teotihuacan – Blick von der Sonnenpyramide nach Süden

In dieser Kolumne möchte ich euch einige lustige und kuriose Geschichten aus meiner Zeit in Mexiko berichten. Über vieles werdet ihr Schmunzeln, einiges wird euch aber sicher zum Nachdenken anregen. Falls euch das noch nicht genug ist und ihr auch überlegt, eine Weile nach Mexiko zu gehen, dann kann ich euch das Buch „Mexiko – Ein Länderporträt“* von Jürgen Neubauer empfehlen. Ich habe das Buch erst sehr spät gelesen, nachdem ich schon etliche Male in Mexiko war. Viele Dinge und Verhaltensweisen, die im Buch beschrieben werden, kamen mir schon bekannt vor, jedoch wusste ich den Hintergrund nicht. Jürgen Neubauer wohnt seit über zehn Jahren in Mexiko und erklärt viel über die Hintergründe, warum das Land so ist, wie es ist. Habt ihr etwa gewusst, dass einer der reichsten und dass der dickste Mensch der Welt aus Mexiko kommen? Oder warum die Coca Cola in Mexiko anders schmeckt, als in Deutschland oder der USA? Ihr werdet nach dem Lesen des Buches sicher ein wenig geschockt sein, so wie ich.

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