Santuario de las Luciérnagas – Enttäuschung in Tlaxcala

Santuario de las Luciernagas

Heute geht es um den enttäuschenden Besuch vom Santuario de las Luciérnagas in Tlaxcala. Man sollte sich halt doch nicht durch Youtube-Videos und die Google Bildersuche beeinflussen lassen. Dafür war der Rest der Reise jedoch umso schöner.

Santuario de las Luciérnagas

Beim Santuario de las Luciérnagas handelt es sich um ein Waldgebiet im Westen von Tlaxcala, einem der kleinsten Bundesstaaten Mexikos (ich war später nochmal in der Gegend und berichte euch über weitere Sehenswürdigkeiten). In diesem Waldgebiet gibt es sehr viele Glühwürmchen – extrem viele wenn man den Bildern und Videos im Internet glauben schenken möchte. Da uns die Millionen von Monarchfaltern in Morelia so beeindruckt hatten, erwarteten wir etwas Ähnliches in Tlaxcala und machten uns voller Vorfreude auf die lange Anreise.

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Anreise

Von San Luis Potosí aus müsst ihr ca. 500 km nach Tlaxcala zurücklegen. Eine Reise, die ihr am besten sehr zeitig beginnt, da der Feierabendverkehr auf dem Highway 57 euch sonst viele zusätzliche Stunden kosten wird. Wir fuhren pünktlich Freitagmittag gegen 12 Uhr los und benötigen nur 4.5 h, da die Straßen noch frei waren. Die Strecke ist denkbar einfach – in San Luis Potosí auf den Highway 57 in Richtung Mexiko fahren und dann vor Querétaro auf die Umgehung 57D abbiegen. Dieser folgt ihr weiterhin in Richtung Mexiko-Stadt. Nach einer Weile kommt ihr automatisch auf den Highway 45, der euch später wieder auf die 57D in Richtung Mexiko-Stadt bringt. Etwa 50 km vor Mexiko-Stadt verlasst ihr endlich die 57D und folgt der M40D in Richtung Puebla (geniale Stadt, dazu später mehr). Ihr kommt an Tula vorbei (tolle Ausgrabungsstätte, auch dazu später mehr) und folgt der Straße bis Domingo Arenas. Hier verlasst ihr die M40D und biegt auf die 136 nach Ciudad Nanacamilpa ab. Dort angekommen sucht ihr euch eine Bleibe, denn von dieser Ortschaft aus starten die Touren in das Waldgebiet.

Übernachtet haben wir dieses Mal in einem AirBnb. Wir hatten die obere Etage eines Hauses gemietet, dass von zwei älteren Frauen bewohnt wurde, die sich rührend um uns gekümmert haben (es gab Kaffee, Leckerein aus der Bäckerei, Obst und andere Getränke).

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Ciudad Nanacamilpa und die Tour zu den Glühwürmchen

Da wir zeitig ankamen, hatten wir Zeit ein wenig die Ortschaft zu besichtigen und Karten für die Tour zu kaufen. Es gibt mehrere offizielle Tourismusbüros in der Stadt, wir haben unsere Tickets in der Calle Libertad gekauft – hier stehen auch Zelte mit den offiziellen Touristenführern, die euch dann auf der Tour begleiten. Pro Person kostete es 150 Peso.  Danach schlenderten wir ein wenig durch das Zentrum der Ortschaft. Sehr zentral gibt es einen kleinen Park (Parque de Nanacamilpa). Um diesen herum befinden sich mehrere Imbisse mit lokal gefertigtem Holzspielzeug, traditionellen Leckereien und Getränken. Vor der kleinen Kirche (Parroquia San José) befindet sich eine toll gestaltete Uhr. Gleich hinter der Kirche (neben der Kommunalverwaltung Presendencia Municipal) befindet sich eine große Halle mit Restaurants und einer kleinen Bühne – hierher kommen viele Touristen nach der Tour in den Wald um sich den Bauch vollzuschlagen. Es gibt viele traditionelle Gerichte und Getränken, wie Atole (süßes Heißgetränk aus Mais) und Tlacoyos (prinzipiell wie eine dicke Tortilla aus dem gleichen Teig, masa, jedoch fettiger und mit verschiedensten Zutaten belegt).

Um 19 Uhr begann unsere Tour. Wir fuhren mit dem Auto wieder in die Calle Libertad und ein etwa 20-jähriger Guide stieg zu. Er erklärte uns, dass es verschiedene Touren und Besichtigungspunkte im Waldgebiet gibt und wollte uns sein favorisiertes Gebiet zeigen. Wir fuhren mit dem Auto ca. 15 Minuten zu einer kleinen Ortschaft (ich habe versucht den Ort in Google Maps zu finden, leider vergeblich). Dort ließen wir das Fahrzeug stehen und begannen zu wandern. Die Landschaft vor Ort kam mir aus Deutschland sehr bekannt vor – in der Tat sah alles sehr ähnlich aus: Grüne Hügel und Wiesen, dichte Wälder – ein bisschen wie zu Hause. Leider ähnelten die Temperaturen auch denen in Deutschland, sodass eine Jacke dringend erforderlich war. Wir wanderten erst ein wenig über ein Feld und kamen dann zu einer Hütte. In dieser übernachten von Zeit zu Zeit Viehtreiber. Sie war klein und aus Lehm gebaut. Derzeit befand sich Stroh darin. Neben der Hütte bat uns der Guide einen Kreis zu machen und uns an den Händen zu halten. Gemeinsam mussten wir mit geschlossenen Augen den Wald bitten, ihn betreten zu dürfen (very strange…). Danach ging es in den Wald – aus Respekt durften sollten wir darin nur leise reden und das Licht unserer Handys dimmen (Handys am besten gar nicht benutzen). Am Waldeingang standen auch nochmal einfache Toiletten, damit man im Wald nicht gehen muss… . Unterwegs erklärte uns der Guide sehr viel über die Glühwürmchen, lokale Tierarten und die Gegend. Einige Dinge kamen mir jedoch sehr seltsam vor – habt ihr z.B. gewusst, dass es Fledermäuse gibt, die Pflanzen bestäuben? Musste es auch erst googeln, um es zu glauben, es heißt Chiroterogamie. Nach einer Weile kamen wir an einem ersten Beobachtungsort an, der Guide empfahl uns jedoch einen weiteren, dunkleren Ort, sodass wir dorthin wanderten.

Angekommen warteten wir einige Minuten, bis wir etwa 21 Uhr die ersten Glühwürmchen aufleuchten sahen. In Mexiko scheint das eine große Sache zu sein – wer das erste Glühwürmchen sieht, darf sich was wünschen und alle scheinen vom blinken der kleinen Tiere in den unterschiedlichen Frequenzen sehr begeistert zu sein. Anfang Juni bis Ende Juli ist die beste Reisezeit, in dieser Zeit kann man die meisten Insekten beobachten, in dieser Zeit regnet es aber auch häufig. Erst gab es nur nur ein bis zwei und nach einer Weile einige Glühwürmchen mehr zu sehen. Insgesamt waren aber zum gleichen Zeitpunkt kaum mehr als 10-20 sichtbar. Der Guide meinte, dass sei ganz normal und es wären immer nur so viele – die widerspricht leider den vielen Bildern im Internet. Meine Vermutung ist, dass die Bilder mit lichtstarken Objektiven bzw. längerer Belichtung aufgenommen wurden. Da die Tiere nicht permanent leuchten, sondern nur in verschiedenen Frequenzen blinken, sieht man dann deutlich mehr auf den Fotos.

Nach einer Weile begann es leider sehr stark zu regnen. So stark, dass das Wasser den Waldweg hinunter rann, den wir gekommen waren. Unsere Sachen (auch die Wanderschuhe) waren in kürzester Zeit durchnässt. Meine Kollegen hatten zum Glück Regenschirme dabei, ich lieh mir einen Poncho vom Guide, der natürlich, im Gegensatz zu uns, bestens auf das Wetter eingerichtet war. Wir begannen schleunigst den Rückweg (was der Guide nicht ganz begriff) und kamen dennoch komplett durchnässt am Auto an. Kalt war es vorher schon, sodass der Regen und die Nässe uns auch noch frösteln ließ. Um nicht krank zu werden, fuhren wir direkt zur Stadt zurück und nahmen eine heiße Dusche im AirBnb.

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Fazit

Im Gegensatz zu Deutschland scheint es in Mexiko selten saftig grüne, feuchte und etwas kältere Waldgebiete zu geben. Daher scheint man hier auch im Allgemeinen wenig Glühwürmchen zu sehen zu bekommen. Zu Hause ist das schon anders – jeder, der Abends ein paar Spaziergänge durch den Wald macht oder eine Weile in ländlicher Gegend gewohnt hat, kennt die Tierchen und sieht sie ab und zu. Aus diesem Grund scheinen die Mexikaner ganz aus dem Häusschen zu sein, wenn sie die kleine Wanderung zur Beobachtung machen (noch dazu wandern viele Mexikaner ja eher selten in der Natur herum). Für uns war es jedoch eher ernüchternd. Erst dachten wir noch, dass wir einen schlechten Tag erwischt haben und daher nicht allzu viele Glühwürmchen gesehen haben (maximal 10-20 zur gleichen Zeit). Der Guide meinte jedoch, dass dies normal sei. Ich habe danach zig Youtube-Videos angeschaut und bin zum gleichen Eindruck gekommen – es sind kaum mehr zu sehen. Die Bilder bei Google hingegen sind entweder bearbeitet, mit langer Belichtung oder einem lichtstarken Objektiv aufgenommen. Dann lichtet man natürlich deutlich mehr Tiere ab, als das Auge wahrnehmen kann. Etwas Ähnliches ist mir auch bei den Las Coloradas in Yucatán (die Seen waren nicht pink, sondern eher braun – ich vermutete erst die Jahreszeit, jedoch haben mir Kollegen mittlerweile berichtet, dass auch bei Ihrem Besuch im Sommer nur einer der Seen wirklich rosa war) und in der Biobay La Parguera in Puerto Rico (man hat den Effekt schon ein wenig gesehen, jedoch ist dieser kaum mit einer Kamera festzuhalten und daher viele Bilder im Internet fake) passiert. Die Wanderung war schon ganz nett, auch die Geschichten vom Guide und die Landschaft vor Ort ist toll – jedoch kann man in Deutschland in jedem zweiten Wald nur unwesentlich weniger Glühwürmchen sehen. Insgesamt waren wir vom Besuch vor Ort sehr enttäuscht – der Vergleich zu den Bildern im Internet ist wirklich eine Schande, zusätzlich hat sicher noch der starke Regen auf unser Gemüt gedrückt.

Mein Fazit: Wer noch nie Glühwürmchen gesehen hat, für den könnte sich der Besuch lohnen. Allen anderen rate ich trotz der guten Bewertungen davon ab – die lange Anreise ist es einfach nicht wert. Falls ihr vorbeischauen wollte, empfehle ich euch jedoch wasserdichte Wanderschuhe*, einen Regenponcho und wetterfeste Kleidung* bzw. einen Regenschirm.

 

Wie ging es weiter?

Am kommenden Tag traten wir bereits unsere Rückreise an (in zwei Schritten – erst nach Querétaro und am Sonntag dann nach Hause). Auf dem Weg besichtigen wir noch die tollen Pyramiden und Statuen in Tula, das schicke Städtchen Tequisquiapan und zwei Weingüter – eine tolle Wiedergutmachung! Die Berichte hierzu werde ich demnächst veröffentlichen.

 

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