Mexiko Tagebuch: #24: Rückflug nach Mexiko, Corona-Update

Flyboard Cabo San Lucas

Puh, seit meinem letzten Eintrag sind sechs (!) Wochen vergangen. Zeit euch mal wieder auf den aktuellen Stand zu bringen!

#24: 20.06. Rückflug nach Mexiko, Corona-Update

Im letzten Update ging es um meinen Flug nach Deutschland Anfang Mai (ich habe den Artikel unten nochmal angehangen, zum Rest des Tagesbuches geht es jetzt immer über einen Link am Ende). Die ersten beiden Wochen habe ich in München in häuslicher Quarantäne verbracht und hatte mir hierzu ein kleines Apartmentzimmer gebucht. Interessanterweise hat niemand kontrolliert oder angerufen. Ich habe mich nach der Landung ordnungsgemäß beim Gesundheitsamt gemeldet, daraufhin gab es ein paar Fragen, ich musste ein Dokument ausfüllen und das wars – in den kommenden zwei Wochen hab ich nichts mehr gehört. Blöd war natürlich das gute Wetter Anfang Mai, dass ich nur durch die Fensterscheibe beobachten konnte. In den darauffolgenden Wochen habe ich mich um einen Umzug gekümmert, einiges für die Arbeit abgeklärt, die Familie besucht und Freunde getroffen. Es war für mich sehr erstaunlich, wie offen alles in Deutschland schon wieder ist. Ich war bereits wieder in Biergärten und Restaurants – hatte über die Zeit in Mexiko glatt vergessen, wie schön München im Sommer ist.

Leider regnete es in den letzten beiden Wochen dann fast jeden Tag, sodass ich mich schon wieder in mein warmes San Luis Potosí zurück gewünscht habe. Der Rückflug erfolgte dieses Mal von München über Paris, Mexiko-Stadt nach San Luis. Das Flugzeug München nach Paris war etwa halbvoll, das nach Mexiko-Stadt zu einem Drittel und im letzten Flug waren außer mir nur drei weitere Passagiere – das ist schon krass. An den Flughäfen war es sehr ruhig, in Paris hatte kein einziges Restaurant geöffnet, was mich sehr ärgerte (Sandwich aus dem Supermarkt…). Temperaturmessungen gab es dieses Mal an allen Flughäfen, auch musste ich Zettel ausfüllen (in Frankreich wollte die aber niemand, dafür in Mexiko).

Übrigens scheint die Lufthansa ihre Stuermilliarden gleich massiv einzusetzen – ab München fliegen schon wieder etliche Flugzeuge, die wahrscheinlich alle fast leer sind.

Hier in San Luis öffnet man auch Stück für Stück wieder Einrichtungen – Bars und Restaurants sind schon offen, Parks werden Anfang Juli eröffnen, einige Tourismusgebiete ebenfalls. Trotzdem steigen die Zahlen in Mexiko fleißig weiter – von flatten the curve oder Eindämmung kann hier keine Rede sein. Das Gute: Ich musste nicht in Quarantäne! Das BMW Werk kann wieder weiterproduzieren und beim Werksarzt habe ich einen Test auf Covid-19 gemacht – der war negativ und somit brauch ich nicht zu Hause sitzen. In der Arbeit herrschen strenge Vorschriften und Schutzmaßnahmen: Wir arbeiten den ganzen Tag mit Maske, halten Abstand, müssen früh unsere Tische desinfizieren (überall steht Desinfektionsmittel herum, auch für die Hände). Die Belegung von Meetingräumen wurde reduziert, Stühle entfernt und Sticker angebracht, wo man sitzen darf. Die Tische um Büro und in der Kantine wurden getrennt, zusätzlich wurden in der Tische Plexiglasscheiben zwischen den Sitzplätzen angebracht (man muss jetzt lauter reden, wenn man sich unterhalten will). Auch wenn es einige Umgewöhnung erfordert: Ich finde die Maßnahmen sehr gut durchdacht und umgesetzt – hoffentlich hilft es, Ansteckungen zu vermeiden. Trotzdem wünsche ich mir, dass wir diese Krise schnell hinter uns bringen und es ein Medikament oder eine Impfung gibt, diese ganzen Anpassungen behindern einen dann doch schon im Austausch und es fühlt sich alles sehr steril und kalt an.


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Eine Neuigkeit habe ich zum Schluss noch zu vermelden: Ich werde Mexiko verlassen und im August nach Deutschland zurückkehren. Aktuell treffe ich dafür bereits Vorbereitungen und fühle mich ein wenig traurig. Auf der einen Seite fehlen mir Deutschland und meine Familie natürlich, auf der anderen Seite fasziniert mich Mexiko immer noch und ich werde meinen Lebensstil in Flip-Flops, kurzen Hosen und T-Shirt und 12 Sonnenstunden täglich vermissen. Ihr braucht euch aber keine Sorgen zu machen – ich muss noch sehr viele Artikel aufholen über vergangene Reisen, sodass ich sicher bis Ende des Jahres noch Berichte über Mexiko schreiben kann. Außerdem ist eine Rückkehr zum Reisen bereits geplant, ihr dürft gespannt sein!

Die neusten Artikel im Blog:

  • Mezcal und Mole in Oaxaca: Im Artikel geht es um die berühmten Molesoßen und den Mezcal, der hier oft noch traditional hergestellt wird. Lecker!
  • Dominikanerkloster Ex-Convento de Cuilapan de Guerrero: Ein großes unvollendetes Kloster mit doppeltem Kreuzgang und einer Kapelle ohne Dach. Sehenswert und nur wenige km südlich von Oaxaca de Juárez. Bericht.
  • Oaxaca de Juárez: Die Hauptstadt Oaxacas ist berühmt für ihre indigene Kultur, ihr koloniales Zentrum, das leckere Essen und die tollen Märkte. Schaut mal vorbei – hier gibt’s den Bericht.
  • Monte Albán ist die berühmteste und größte Ausgrabungsstätte Oaxacas. Sie befindet sich gleich westlich der Hauptstadt und gehört, wie alles andere hier, zum UNESCO Weltkulturerbe. Reisebericht.
  • Die Ausgrabungsstätte Mitle gehört ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe. Sie ist für ihre extrem gut erhaltenen Steinmosaiken bekannt. Ihr findet sich 55 km südöstlich von Monte Albán. Reisebericht.
  • Árbol de Tule: Der dickste Baum der Welt befindet sich zwischen der Ausgrabungsstätte Mitla und Oaxaca de Juárez. Hier geht’s zum Bericht.
  • Eine Mineralquelle hat über Jahrtausende spektakuläre Skulpturen geformt. Unweit von Mitla findet ihr die „gefrorenen“ Wasserfälle von Hierve el Agua. Hier der Bericht.

 

#23: 07.05. Reisen in Corona-Zeiten: Wie ich vergangenes Wochenende nach Deutschland geflogen bin

Und da bin ich wieder – dieses Mal aber aus good old Germany. Vergangenes Wochenende bin ich nach Deutschland geflogen. Warum? Hauptsächlich aus privaten Gründen, da meine Familie und meine Frau in Deutschland sind und ich nicht in Mexiko sein möchte wenn jemand in dieser Krise krank wird. Aber auch beruflich habe ich einiges zu erledigen und vorzubereiten, da bald meine Rückkehr aus Mexiko ansteht (im Home Office in Deutschland kommt einem die Zeitverschiebung weniger in die Quere). Weiterhin ist die Situation in Mexiko derzeit sehr unklar: Die veröffentlichten Fallzahlen stimmen vorne und hinten nicht (Beispiel: Am 27.05. wurden Zahlen veröffentlicht – ca. 60.000 Menschen wurden getestet, 11.000 waren positiv zu dem Zeitpunkt – das lässt Schlüsse auf die Dunkelziffer zu). Die Wirtschaft befindet sich immer noch im Lockdown und es gibt keine verlässlichen Aussagen, wann dieser Zustand aufgehoben wird. Die Maßnahmen der mexikanischen Regierung und lokalen Verwaltungen sind ebenfalls nicht wirklich nachvollziehbar und transparent – jetzt hat man bspw. in 25 Bundesstaaten den Verkauf von Alkohol verboten. D.h. der Schmuggel wird jetzt wieder ansteigen und ich hab wirklich keine Ahnung, was das bringen soll. Die Zeiten sind einfach extrem unsicher.

Dennoch habe ich lange mit mir gerungen, ob ich fliegen soll und habe mich vorher gut informiert. Flüge über die USA sind aktuell als Europäer nicht möglich (da die Amis ja keinen Transitbereich haben), daher gibt es derzeit nur die Möglichkeit mit KLM nach Paris oder Amsterdam zu fliegen – Flieger gehen nur Mittwochs und Freitags. Somit flog ich zuerst von San Luis Potosí nach Mexiko-Stadt – hier wurde der erste Flug gecancelt, sodass ich auf Aeromar umgestiegen bin. In diesem Flugzeug gab es neben mir nur noch drei weitere Passagiere. Vor dem Einchecken wurde Fieber gemessen und ich  musste einen Zettel ausfüllen, weiterhin war eine Maske am Flughafen Pflicht. Im Flugzeug wurden wir getrennt gesetzt (mind. ein Platz oder eine Reihe Abstand).

Der Flughafen Mexiko war ebenfalls so gut wie tot. Ich musste das Terminal wechseln und im Air Train war außer mir nur noch ein weiterer Mann unterwegs. Die Anzeigetafel zeigte Freitagabend nur zwei Flüge: Einen nach Amsterdam und einen nach Paris. Das muss man sich mal vorstellen, es handelt sich hier um den großen Hauptstadtflughafen! Auch hier galt Maskenpflicht, es wurde erneut Fieber gemessen und ich musste wieder einen Zettel ausfüllen.

Es ging im Dreamliner von KLM nach Amsterdam. Schon vor dem Boarding machte der Kapitän eine Ansage, dass der Service nicht auf dem gewohnten Niveau von KLM sein wird. Es wird nur ein Mal ein kleines warmes Essen geben und auf jedem Sitzplatz befindet sich eine Tüte mit Wasser, Schokoriegeln, einem Apfel und ein Sandwich – das muss bis zur Ankunft reichen (und hat es auch – hatte sogar noch einiges übrig). Alkohol gab es keinen. Übrigens hat KLM bereits vorher per E-Mail darüber informiert und sich entschuldigt. Ich finde, dass diese Airline für ihren Kundenservice eine Auszeichnung verdient hat! Der Flieger war zu ca. einem Drittel gefüllt – auch hier wurden wir getrennt gesetzt. Nach Abheben setzten sich die meisten Passagiere in eine eigene Reihe – so hatte man selbst in der Economy mal richtig Platz!

In Amsterdam hatte ich eine Nacht Aufenthalt. Obwohl ich kurz nach 14 Uhr angekommen bin, gab es am gleichen Tag keinen Flieger mehr nach München. Ich hatte also ein Hotel in der Nähe des Flughafens gebucht und zum Glück einen Satz Wechselkleidung im Handgepäck, da ich meinen Koffer nicht holen durfte, er blieb eingecheckt. Kurz vor Verlassen des Flughafens kontrollierten Polizisten die angekommenen Gäste – sie sahen in meinem Ticket den anstehenden Flug nach München und ließen mich ziehen. Eine Information zur aktuellen Lage in den Niederlanden oder zur Quarantäne gab es weder im Flugzeug, noch am Flughafen (ich hatte mich aber im Vorfeld informiert – und auch hier musste man sich nach Einreise in Quarantäne begeben).

Im Hotel waren alle Annehmlichkeiten (Restaurants, Fitness, Pool etc.) geschlossen. Es gab nur Zimmerservice (relativ teuer) – besonders dreist fand ich, dass Websites lokaler Lieferdienste im Hotel-WLAN nicht erreichbar waren. Ich aß einen Burger zu Abend und verzichtete auf das Frühstück für teure 27,99€ (!) – am Flughafen gab es zum Glück noch 2-3 geöffnete Imbissstände.

Steigenberger Hotel Burger
Burger im Hotel

Der Flug nach München war relativ unspektakulär, das Flugzeug nur zur Hälfte gefüllt. Kurios war, dass einige Passagiere nach dem Einsteigen direkt nebeneinander saßen – hier hatte man bei der Sitzplatzwahl geschlampt. Nach Abheben setzten sich die Leute aber sofort um. Kurz vor der Landung musste ich einen Zettel zu meinem Befinden und meinem Aufenthalt ausfüllen „For the German health ministry“. Diesen habe ich immer noch, er wurde weder kontrolliert noch eingesammelt. Angekommen ging ich durch die automatische Passkontrolle und holte meinen Koffer. Danach kaufte ich ein Ticket für den Nahverkehr und fuhr in die Stadt. Am Flughafen gab es nicht einen Hinweis (z.B. ein Schild oder einen netten Mitarbeiter) auf die 14-tägige häusliche Quarantäne nach Einreise – ich war wirklich überrascht. Da ich mich vorher informiert hatte, füllte ich den Vordruck an das Referat für Gesundheit und Umweltschutz aus und schickte es per Mail. Nur ein paar Minuten später wurde ich zurückgerufen und mir noch einige Dinge erklärt – selbst zum Sonntag, das fand ich gut!

Dennoch muss ich sagen, dass ich deutlich mehr Kontrollen oder Fragen erwartet hätte – ich bin mir nicht sicher, ob irgendjemand etwas von meiner Einreise mitbekommen hätte, wenn ich mich nicht selbst gemeldet hätte. Insgesamt war die Reise sehr angenehm und verlief viel reibungsloser, als ich mir vorgestellt hatte. Jetzt sitze ich bereits seit vier Tagen in häuslicher Quarantäne, mache Home Office und ein bisschen Sport im Zimmer. Zum Glück kann man die Fenster öffnen und die frische Luft rein lassen. Bald ist es geschafft :).

 

Hier geht’s zum Rest des Tagebuches.

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