Artikelserie Mexiko-Stadt: Die schwimmenden Gärten von Xochimilco

Nachdem wir das Zentrum und den größten Stadtpark von Mexiko-Stadt abgehakt haben, wird es Zeit für eine ganz außergewöhnliche Sehenswürdigkeit: Die berühmten schwimmenden Gärten von Xochimilco.

Wir verlassen die Reichen und Schönen in Polanco und fahren nach Süden. Vorher aber wie immer eine kurze Auflistung der bisherigen Artikel der Serie: Alles begann mit der Gründung Tenochtitláns auf einer Insel im See Texcoco durch die Azteken. Nach der Eroberung durch die Spanier folgte der schwierige Aufstieg von Mexiko-Stadt zur heutigen Metropole. Nachdem wir alles wichtige zur Geschichte gelernt haben, kümmerten wir uns um Anreise und Übernachtung. Unsere große Sightseeing-Tour begannen wir dann natürlich im Centro Histórico. Über den Alameda Central ging es zur Prunkstraße Reforma. Dieser folgten wir zum berühmten Bosque de Chapultepec. Dort schauten wir uns weltberühmte Museen und den einzigen Königspalast in Nordamerika an. Nördlich des riesigen Stadtparks genossen wir noch ein kulinarisches Erlebnis in einem der tollen Restaurants in Polanco.

Tipp: Bevor ihr eure Tour durch Mexiko startet, solltet ihr meine Sicherheitshinweise durchlesen.

Heute begeben wir uns an den südlichen Rand der Stadt. Hier erwartet uns eine Sehenswürdigkeit der ganz besonderen Art: Auf bunt bemalten Booten, den sog. Trajineras, fahren wir durch schmale Kanäle vorbei an kleinen Inseln, den schwimmenden Gärten von Xochimilco.

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Überblick Xochimilco

Xochimilco befindet sich etwa 25 km südöstlich der Innenstadt Mexikos und gehört seit 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe. Auf dem Gebiet des Stadtbezirks mit etwa 500.00 Einwohnern leben 14 verschiedene indigene Völker, welche trotz Urbanisierung versuchen ihre traditionellen Wurzeln zu bewahren. Weiterhin befindet sich in der Gegend das größte Naturschutzgebiet von Mexiko-Stadt. Der Name Xochimilco stammt, wie immer, aus dem Nahuatl und bedeutet übersetzt soviel wie Ort des Blumenfeldes. Im nördlichen Teil Xochimilcos befand sich früher der gleichnamige See (Teil des ursprünglichen gigantischen Texcoco Sees), heute findet man dort die berühmten Kanäle. Südlich des Sees begrenzt eine Bergkette mit den Gipfeln Xochitepec, Tzompol, Tlacuallelli und Teuhtli die Ebene um Mexiko-Stadt.

 

Wie kommt ihr nach Xochimilco?

Xochimilco befindet sich weit im Süden des Hauptstadtbezirks und außerhalb des Bereiches der Metro. Es gibt mehrere Optionen, wie ihr die Gegend erreichen könnt. Die sicherste und einfachste ist die Nutzung von Uber. Ihr solltet eine Fahrtzeit von 40 Minuten und Kosten von etwa 300 Pesos (13-15€) vom Centro Histórico einplanen, dafür seid ihr aber gleich am Zielort.

Alternativ könnt ihr mit der Metro Linea 2 vom Zócalo nach Tansqueña (letzte Station) fahren und dort den Tren Ligero bis zum Zentrum von Xochimilco nutzen. Den Rest lauft ihr zu Fuß oder nutzt ein Taxi. Ihr solltet etwa 1,5h einplanen. Bitte beachtet die Sicherheitshinweise für Mexiko.

Es gibt elf Ablegestellen (Embarcaderos) für Boote in Xochimilco, welche verschiedene Aktivitäten bieten. Die ältesten und traditionellsten sind Nativitas, Las Flores Nativitas und Zacapa.

CDMX Xochimilco
Es gibt viele Bootsanlegestelle in Xochimilco. Hier: Embarcadero Nativitas

Tipp: Ihr solltet immer eine Powerbank dabei haben, falls der Akku unterwegs schlapp macht*:

 

Geschichte Xochimilco

Wie bereits im Artikel zum Ursprung von Mexiko-Stadt erwähnt, wurde von den Azteken ein interessantes Landwirtschaftssystem zur Versorgung der immer weiter wachsenden Bevölkerung von Tenochtitlán angelegt. Die Azteken kannten keine großen Lasttiere zum Transport von Nahrung, daher musste man vor Ort produzieren. Sie bauten die sog. Chinampas. Dabei handelte es sich um große Geflechte aus Schilf, welche mit nährstoffreichem Schlamm vom Seegrund gefüllt wurden und im See schwammen. Durch Randbepflanzung mit Wasserpflanzen oder Weidesträuchern wurde ein Wegspülen des Schlammes verhindert. Die Chinampas wurden mit Gemüse bepflanzt und versorgten die Bevölkerung von Tenochtitlán. Es entstanden die sogenannten Jardines flotantes (schwimmende Gärten). Im Laufe der Zeit wurden durch Absenkung des Wasserspiegels aus den schwimmenden Gärten kleine feste Inseln. Nach Ankunft der Spanier wurde der ursprüngliche Texcoco See immer weiter trockengelegt, auf dem Gebiet von Xochimilco blieben jedoch einige Kanäle erhalten (etwa 180 km!). Heutzutage baut man immer noch Gemüse und Blumen auf den kleinen Inseln an, das Gebiet wird aber zunehmend vom Tourismus genutzt. Auf großen, bunt bemalten Booten, den Trajineras, kann man sich durch die Kanäle fahren lassen und dabei eine Fiesta der ganz besonderen Art erleben.

Ihr wollt mehr über Mexiko lernen und Hintergründe verstehen? Dann kann ich euch das Länderporträt Mexiko von Jürgen Neubauer empfehlen:*

 

Sehenswürdigkeiten Xochimilco

Durch die Kanäle auf den bunten Trajineras

Als ich 2012 als Praktikant im BMW Werk Spartanburg tätig war, trat ich meinen ersten Wochenendtrip nach Mexiko-Stadt an. Ich hatte eine Freundin da, sonst wusste ich aber nicht viel vom Land und sprach kein Wort Spanisch. Mein Aufenthalt war genial – neben einer Tour durch die Stadt verbrachte ich meinen ersten Abend auf dem Plaza Garibaldi bei den vielen Marichis und ihrer Musik. Sowas hatte ich noch nie gesehen und ich war fasziniert! Es wurde aber noch besser: Am zweiten Abend fuhren wir nach Xochimilco und ließen uns auf einem großen Floß durch die Kanäle gondeln. In der Mitte dieser bunten, überdachten Boote befindet sich eine Art Biertischgarnitur. Man bringt Essen und Getränke mit, oder hält unterwegs an kleinen Inseln an, um Nachschub zu besorgen. Natürlich darf laute Musik bei der Fiesta nicht fehlen – wer mag, kann diese sogar Live bekommen: Auf den Kanälen begegnen einem nämlich nicht nur weitere Touris, sondern auch Boote mit Mariachi-Bands oder Mütterchen, die Tortillas zubereiten. Die ruft man einfach zu sich ran – beide Boote werden aneinander geschnürt und für etwas Geld bekommt man tolle Musik und gutes Essen. Was für eine Party!

Kosten

Auf einem Trajinera können normalerweise bis zu 18 Personen mitfahren. Aufgrund der Pandemie hat man die Anzahl Personen aber auf 12 begrenzt. Die Preise sind festgelegt, daher solltet ihr euch nicht abzocken lassen. Die Kosten betragen 500 Pesos pro Boot und Stunde. Eine touristische Tour (bis 3h) kostet 750 Pesos, eine fünfstündige Tour mit Stopp an der Insel der Puppen kostet 1750 Pesos. Mehr Infos erhaltet ihr hier.

Kurios: Insel der Puppen

Ich selbst war bisher nie da, habe aber einige Berichte darüber gelesen. Auf dieser Insel wurden hunderte verstümmelte Puppen in den Bäumen aufgehangen, sie sollten den Geist eines Mädchens vertreiben, dass in der Nähe der Insel ertrunken war. Der Blumenzüchter und Fischer Julián Santana Barrera war bis zu seinem Tod 2001 der einzige Bewohner der Insel. Er erzählte, dass 1951 ein Mädchen vor der Insel ertrunken ist und ans Ufer gespült wurde. Seitdem fühlte er sich von ihrem Geist verfolgt, sie forderte immer Spielzeug von ihm. Also sammelte er Puppen, die er in den Kanälen fand. Da sich der Geist aber nicht beruhigte, verstümmelte er die Puppen und hang sie in den Bäumen auf, um den Geist abzuschrecken. In den Bäumen hängen etwa 1.000 Puppen, teilweise ohne Gliedmaßen oder Augen. Julían ertrank 2001 an der Stelle, an der er das Mädchen 50 Jahren zuvor gefunden hatte.

Früher nutzen Einheimische die Insel für Mutproben: Sie mussten eine Nacht auf ihr verbringen. In den 90ern entwickelte sie sich aber zu einer Touristenattraktion. Aktuell gibt es mehrmals täglich Touren, für das Betreten der Insel wird Eintritt verlangt. Anastacio Santana, der Neffe von Julián, ist heute der einzige Bewohner.

Ihr wollt auch kochen wie die Mexikaner? Dann kann ich folgendes Buch empfehlen (hab ich auch meiner Mum geschenkt):*

 

Wie geht es weiter?

Im nächsten Artikel widmen wir einigen weniger bekannten Stadtteilen unsere Aufmerksamkeit, allen voran Coyoacan. Wir schauen uns noch einige interessante Museen an (u.a. das blaue Haus von Frida Kahlo) und schließen mit unserer Sightseeing-Tour durch Mexiko-Stadt ab. Viel Spaß beim lesen!

 

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