Shenyang – Die ersten Tage

China Chaoyangsi Tempel

Willkommen im Reich der Mitte!

Da wir heute aufgrund der Reise nach Shenyang und unserer ersten Aktivitäten ein wenig durchhängen, habe ich Zeit, euch den ersten Artikel zu schreiben :). Nehmt euch am besten was zu Essen/Trinken, denn das wird ein langer Text bei all den vielen neuen Eindrücken.

Am Freitagmorgen ging es also los. Erster Flug* nach Frankfurt (Lufthansa), dann weiter nach Peking (Air China) und von dort mit einem dritten Flug nach Shenyang (Air China). Da es sich um eine Dienstreise handelt sind wir Business Class* geflogen – und das war super! Ich bin bisher noch nie Business Class geflogen, aber vor allem bei dem langen Flug Frankfurt – Peking (knapp 10 h) waren die Vorteile deutlich spürbar (s. Bilder). Man hat einen Sitz, den man komplett zu einer Liegefläche umklappen kann (nur für Menschen >190 cm könnte es eng werden), es gab permanent Getränke (auch Alkohol) und gutes Essen. Insgesamt saßen nur 7 Leute in der Business Class, sodass sehr viele Plätze frei waren.

Nach dem Einstieg gab es eine Decke, Kissen, Pantoffeln, eine Waschtasche (Zahnbürste, Zahnpasta, Creme, Augenbinde, …), ein Gläschen Sekt bzw. O-Saft und wir erhielten eine Karte mit den Menüs für das Essen. Kurz darauf kam ein Steward und meinte, dass sie das gar nicht alles haben und so mussten wir für das Abendbrot zwischen Ente und Steak und für das Frühstück zwischen Reis und Nudeln wählen. Eine Mahlzeit bestand immer aus einem Vorspeisentablett, einer Hauptspeise und einem Dessert. Ich glaube, dass ich noch nie so entspannt geflogen bin – nur leider war der Flug tagsüber, sodass ich gar nicht richtig schlafen konnte (trotz umklappbarem Sitz; hab dafür Filme über das quälend langsame Entertainment-System geschaut). Übrigens kann man dort auch elektrische Geräte anschließen, Handy laden und man bekommt richtig gute Kopfhörer.

Im Flugzeug muss man eine Arrival-Card ausfüllen, die man dann in Peking bei der Immigration abgibt. Unser Gepäck wurde bis nach Shenyang transportiert, sodass wir es nicht noch umladen mussten. In Peking findet jedoch automatisch eine Zollkontrolle statt – zum Glück waren die zwei Kg Kaffee in meinem Paket für die Kollegen hier noch vorhanden. Das Visum zu Einreise wird in Peking durchgestrichen (einmalige Einreise ist somit erfolgt).

Meine Bose mit Noise Cancelling dürfen auf keinem Flug fehlen – da nervt euch keiner mehr:*

 

Ankunft im Hotel, erster Einkauf und interessantes Essen

Am Samstag sind wir gegen 10:30 Uhr ziemlich müde und fertig in Shenyang angekommen. Zwei chinesische Kollegen haben uns abgeholt und zu unserem Hotel, dem Shangri-La* gefahren. Das ist ein exzellentes 5 Sterne Hotel mit allem drum und dran (riesige prunkvolle Lobby, Fitnessraum, Schwimmhalle, Restaurant, etc.). Am Abend gab es sogar Livemusik in der Lobby – englische Popsongs mit sehr chinesischem Akzent :D. Ein Kollege und ich haben Zimmer in der neunten Etage, der anderen Kollege in Etage 24(!). Neben dem Hotel gibt es einen kleinen Park und eine große Mall.

Hotels in Shenyang:*


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Nach dem CheckIn sind wir zu einem Carrefour-Supermarkt gelaufen, haben ein paar notwendige Dinge gekauft und in einem Restaurant etwas gegessen. Zum Glück haben die meisten Speisekarten hier Bilder, denn keiner von uns kann Chinesisch und die Chinesen sprechen meist nur einfaches Englisch, was zum Erklären der Speisen nicht ausreicht. Im Restaurant gab es übrigens auch Hund (eine Delikatesse hier, probiere ich vielleicht später noch), wir haben jedoch nur etwas gegessen, bei dem wir uns sicher waren, was darin ist :D. Es gab auch rohes Fleisch, was uns sehr verwundert hat – später haben wir gesehen, dass unter einer Abdeckung in der Mitte des Tisches eines Kochplatte war. Man hätte also verschiedenes rohes Fleisch bestellen und selber zubereiten können. Zurück im Hotel haben wir das chinesische „Snow Beer“ probiert. Es schmeckt, wie zu erwarten, nach Wasser. Abends waren wir noch bei KFC in der Mall Essen.

 

Ahnenfest und Chaoyangsi-Tempel

Sonntag morgen gab es dann das Sonntags-Frühstück im Hotel – und das war perfekt! Es gab alles, was man wollte: Brot, Brötchen, Pancakes, Kuchen, Donuts, Obst, Obstsalate, Cornflakes und Müsli, Nudeln, gekochte Eier, Omelette, Speck, verschiedene Fleisch- und Wurstsorten, Haferbrei, Sojamilch, Fisch, Käse, … sogar Sushi konnte man essen. Die Getränke waren ähnliche vielfältig. Nach der Stärkung sind wir mit einem deutschen Expat und seiner Freundin (die perfekt Chinesisch spricht) zu einem Friedhof außerhalb der Stadt gefahren, denn heute ist Ahnenfest. Bei diesem Fest putzt man die Gräber der Verstorbenen, bringt Grabschmuck an und legt Grabbeigaben daneben. Unterwegs haben wir im Auto noch sehr viel gelernt:

  • Die Gestorbenen werden hier fast immer verbrannt, jedoch nicht immer auf Friedhöfen begraben. Vor allem auf dem Land wird die Asche dann häufig in einem Grab auf dem Feld oder auf dem Grundstück untergebracht und daneben einfach ein kleiner Schrein gebaut/Stein gesetzt (haben wir auch gesehen).
  • Grabschmuck/Blumen bestehen meist aus Papier und können entlang der Straße gekauft werden. Es gibt auch große goldene Geldscheine aus Papier, da man früher wirklich Geld bzw. Gold beigelegt hat (ist jetzt natürlich zu teuer). Diese Scheine werden später im Tempel oder an Straßenkreuzungen verbrannt (die Luft ist ja noch nicht schlecht genug…).
  • Grabbeigaben haben meist etwas mit dem Leben der Verstorbenen zu tun – hat einer viel geraucht stellt man ihm einen Aschenbecher hin und zündet ein paar Zigaretten an, war es ein Trunkenbold stellt man Tassen mit Alkohol auf das Grab. Beides haben wir gesehen und das sah sehr lustig aus ;).
  • Nicht mal auf dem Friedhof war Ruhe – wie auch sonst überall dudelt irgendetwas oder macht irgendjemand laute Mikrofondurchsagen. Auch ist ein Beamter mit dem Moped über den Friedhof gefahren, die machen sich da weniger Gedanken als die Deutschen.
  • Auf und neben dem Friedhof gab es allerlei kitschige und nicht zusammenpassende Skulpturen – neben chinesichen Bauern und Soldaten stehen da mal Giraffen oder eine überdimensional große Grille – hauptsache man stellt irgendwas hin :).

Bevor wir den Friedhof wieder verlassen haben, haben wir einem Chinesen noch beim Reifenwechsel geholfen. Das war sehr lustig, denn die stellen sich manchmal ganz schön an… . Er hatte einen Platten vorne rechts und hat erstmal 30 Minuten gebraucht und den Wagenheber hoch zu kurbeln und die Schrauben zu lösen. Seine Familie stand natürlich die ganze Zeit nutzlos daneben. Leider hat er erwartet, dass das Rad nach Lösen der Schrauben von ganz allein abfällt – als das nicht der Fall war, hat er den Support angerufen (keine Ahnung, was er von denen am Telefon erwartet hat). Wir haben ihm dann das Rad locker gerüttelt, das neue mit angebracht und seiner Frau erklärt, dass man die Kurbel am Wagenheber anderherum benutzen muss (sie hatte die Kurbel so verdreht, dass man immer nach einer Umdrehung umgreifen musste). Zum Dank gab es dann Bananen, die er auf das Grab stellen wollte.

Nach dem Friedhof ging es zu einem Tempel außerhalb Shenyangs – dem Chaoyangsi-Tempel. Der steht irgendwie mitten im Nichts und es verirren sich nicht allzu viele Touris dorthin (aber die Dame vor Ort meinte, dass BMW ab und zu dort Seminare abhält). Es gibt ein paar schicke Häuser mit verschiedensten Buddha- und Bodhisattva-Statuen drin (gibt ja verschiedene – vielleicht schreibe ich da später noch einen Artikel drüber).


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Straßenmarkt und interessantes Abendessen in Shenyang

Danach ging es auf einen Markt an der Straße, wo wir chinesisches Essen probiert haben (leider kann ich mir die Namen davon nicht merken). Es gab Reisnudeln mit Tofu und einer scharfen Soße, Reis mit Hühnchen und Erdnüssen, zwei süße frittierte Teigstücken (ähnlich wie bayerische Küchle bzw. Ausgezogene), ein süßes Dampfbrot, das nach Malz schmeckt und wie Bier riecht. Diese Märkte an der Straße sind übrigens ein ziemliches Gewusel – es laufen/fahren unzählige Leute durcheinander, überall kommt laute Musik oder Geschrei (wie die Marktschreier) und man kann sehr seltsame Dinge kaufen. So gab es neben normalem Essen auch Enteneier, Hühnerhälse (frisch oder frittiert), Innereien, kleine Fische (lebendig), getrocknete Fische, verschiedene Gebäcke, eine Art Döner, usw. . Weiter die Straße runter gab es dann z.B. Holzmärkte oder Händler, die Fenster oder Türen verkaufen – interessanterweise sind meist 10-20 Händler, die alle das gleiche Produkt verkaufen, an einem gemeinsamen Ort.

Sonntagabend haben wir uns dann mit Kollegen zum Essen verabredet. Es ging in ein kleines chinesiches Restaurant und sie haben uns typisches Essen von hier bestellt. Natürlich sitzen alle gemeinsam am Tisch, die Gerichte stehen in der Mitte und man nimmt sich mit Stäbchen das, was man Essen möchte. Da sich viele Restaurants nicht die Mühe machen aufzuwaschen, gibt es einen Mietservice für das Geschirr. Es wird abends eingesammelt, gewaschen und dann eingeschweist zurückgebracht – als Gast muss man dann erstmal auspacken. Es gab wieder Snow-Bier, dieses Mal aber eine gute Sorte. Man bekommt die Flaschen auf den Tisch gestellt, trinkt aber aus kleinen Gläsern. Zu Essen gab es Sauerkraut (wird hier aus Chinakohl gemacht), Lammfleisch mit Koriander, Tofu (das gibt es hier in allen erdenklichen Formen), grüne Bohnen, frittierte Aubergine (super lecker), Nudeln aus Kartoffeln, Schweinefleisch mit klebrig-süßer Marinade und Sesam und eine Art dünne Tortillas aus der getrockneten Haut der Sojamilch. In diese Tortillas wickelt man sein Essen ein und isst es dann wie ein kleines Paket. Alles hat super lecker geschmeckt und wenn ich jetzt jeden Tag so ein super Frühstück und Abendbrot bekomme, dann brauch ich auf dem Rückflug zwei Sitze… . Der Restaurantbesitzer hatte übrigens eine kleine Katze, die auf seinen Tisch gesprungen ist und seinen Tee getrunken hat, als er nicht hingeschaut hat :). Nach dem Restaurant waren wir noch im Hyatt-Hotel gegenüber, denn dort gibt es in der 30. Etage einen kleinen und leider teuren Club.

 

 

Für jede Reise zu empfehlen:*

 

Fazit bisher

Es geht mir gut und mir gefällt es sehr hier! Das Hotel ist super, das Essen ist sehr interessant (ich versuche so viel wie möglich Fremdes zu essen), das Wetter passt und die Kultur ist mal was anderes. Sicher, eine quirlige, laute, verrückte Großstadt gefällt nicht jedem, aber ich bin das aus D.F. ja schon gewöhnt.

 

Hier noch ein paar weitere Eindrücke/Erfahrungen:

  • Shenyang sieht auf den ersten Blick nicht sehr schick aus. Überall stehen Wohnhochäuser, die wie graue Bausteinklötze aussehen. Viele dieser Hochhäuser stehen leer oder sind nur teilweise bewohnt. Dennoch baut man überall neue – man baut halt erstmal und wartet dann auf Käufer der Wohnungen.
  • Die Luft ist derzeit okay – Sonntag hatten wir einen Wert von 93 (PM2.5-Wert – in Stuttgart hat man übrigens bei einem Wert von 52 Fahrverbot verhängt :D). Der derzeitige Wert ist recht niedrig, da die Heizungen in Shenyang nur von Oktober bis Ende März laufen dürfen (gibt viele kleine dezentrale Heizkraftwerke und die sind jetzt aus). Muss man jetzt noch Heizen, nimmt man dazu die Klimaanlage.
  • Drei Tage hier, drei Tage Sonne :). Wir sind gerade im Übergang zum Frühling – momentan ist noch alles grau, man sieht aber schon erste Blüten an den Bäumen. Demnächst soll hier alles grün werden – ich bin mal gespannt. Temperaturmäßig haben wir schon 15-20°C tagsüber und es scheint permanent die Sonne. Vor einer Woche muss wohl einen starken Sandsturm gegeben haben, das hat man am verdreckten Auto des Kollegen noch gesehen.
  • Die Menschen hier drängeln gern – im Flugzeug wird man schon mal beiseite geschoben oder sie rennen beim Einstieg mit einem „Excuse me“ an dir vorbei, nur um sich dann vor dir wieder in die Reihe zu stellen.
  • Die Chinesen trauen chinesischen Produkten nicht, deswegen ist alles gut, was im Ausland produziert wird. Daher sind auch ausländische Autos sehr beliebt, welche sehr teuer sind. Ein hier hergestelltes BMW-Modell kostet ca. ein Drittel mehr als in Deutschland, ein importierter BMW (z.B. X-Modelle aus USA) kostet bis zum doppelten des Preises in Deutschland.
  • Es gibt nur wenig Mittelschicht – entweder ist man arm oder sehr reich. Dabei sieht man den Reichtum vor allem an den Wohnungen (wohnen ist wichtiger als das Auto). Reiche Leute kaufen teilweise mehrere Wohnungen in einer Etage, sodass sie dann die ganze Etage für sich haben. Auch stattet man vieles mit teuren deutschen Marken aus.
  • Es gibt einen krassen Unterschied zwischen Stadt und Land (=arm). Die Dörfer sehen schon ganz schön runtergekommen aus und die Menschen dort arm. Oft gibt es noch manuelle Landwirtschaft – man pflanzt mit der Hand auf jedem Stück verfügbaren Land.
  • Prost heißt „gan bei“ und beim Anstoßen hält man aus Respekt sein eigenes Glas immer niedriger als das Glas des Gastes – im Extremfall setzt man das Glas auf die Tischplatte auf.
  • Es gibt meist zuviel Essen und man isst nie alles auf, denn das würde heißen, dass es nicht genug war.
  • Es ist deutlich weniger dreckig als ich dachte. Nur außerhalb der Stadt sieht man Müll.
  • Wenn es nicht laut ist, ist es nicht gut. Autos müssen laut sein, Geschrei auf dem Markt muss laut sein (auch wenn der Typ nur einen Meter neben dir steht), wird nicht laut gesprochen, läuft zumindest irgendwo laute Musik. Fahrräder und Elektroroller müssen natürlich auch laut sein, daher bringt man überall Radios an.
  • Alles muss Blinken – LEDs an den Bäumen, LEDs am Einkaufszentrum, LEDs an jedem Hochhaus – leider geil.

Da der Straßenverkehr hier ist so kurios, dass er noch eine besondere Erwähnung verdient:

  • Die Fahrweise erinnert mich an Mexiko City – Linien und Markierungen
    sind zwar vorhanden, aber man hätte sie auch weglassen können :). Die Leute fahren kreuz und quer, ständig wird gehupt oder sich irgendwo reingedrängelt.
  • Die meisten Straßen sind mehrspurig und einige haben in der Mitte einge Begrenzung zwischen den Fahrspuren der jeweiligen Richtung. Wenn Stau ist, dann fahren die Chinesen aber auch gern mal als Geisterfahrer auf der anderen Seite dieser Unterteilung in Richtung des Gegenverkehrs.
  • Vorsicht beim Straße überqueren – viele Fahrer halten bei einem Zebrastreifen und auch bei einer grünen Fußgängerampel nicht an, sondern fahren einfach weiter. Also entweder den richtigen Moment abwarten oder mit den Chinesen schnell die Straße überqueren, die wissen, wie es geht. Vor allem den Autofahrern nicht in die Augen sehen, denn dann denken sie, dass du sie gesehen hast und fahren weiter.
  • Viele Leute fahren hier mit Elektrorollern über den Fußweg – das ist sehr ungünstig, da man die nicht hört.
  • Baustellen sind schlecht gekennzeichnet – auf dem Fußweg wird gern mal ein Loch gegraben und gar nicht gekennzeichnet, auf der Straße steckt man einfach nur einen Ast in ein Loch oder legt eine kleine Markierung davor – kaum wahrnehmbar.
  • Einige Chinesen fahren auch nachts ohne Licht, andere fahren permanent mit Aufblendlicht.
  • Taxis sind günstig (wenn man Chinesisch spricht). Nur leider wissen die Taxifahrer oft nicht, wo man hin will. Am besten zeigt man eine Karte auf dem Handy. Manche fahren aus erstmal los und rufen dann einen Kollegen an, der vielleicht weiß, wie man zur Adresse kommt. Wie auch in den USA leuchtet hier in vielen Taxis die Motorkontrollleuchte.
  • Benzin hat hier eine schlechte Qualität, sodass wir mit dem BMW nicht gleich an der ersten Tanke tanken konnten. Der 95er Sprit, den wir dann getankt haben, kam 5,90 RMB pro Liter, also ca. 80 Cent.
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