In Mexiko gibt es acht über 4.000 m hohe Vulkane. Die höchsten drei sind sogar über 5.000 m hoch! Kurz nach Besteigung des Nevado de Colima ging ich schon wieder auf Tour. Dieses Mal wanderten wir auf den 4.690 m hohen Nevado de Toluca.
Vergangenes Jahr hat mich das Bergfieber gepackt: Nach der kuriosen Bustour zum Nevado de Colima nahm ich mir mit einem Kollegen den Nevado de Toluca vor. Dieser inaktive Vulkan ist aufgrund seiner geringen Entfernung zu Mexiko-Stadt einer der meist bestiegenen Berge Mexikos. Aufgrund der Erfahrungen aus der ersten Tour, wollte ich dieses Mal auf eigene Faust den Aufstieg wagen: Kein Camping ohne Wasser und Strom und kein kaputter Bus auf dem Rückweg, sondern ein gemütliches Hotel und die schnelle An- und Rückreise mit dem privaten Auto.
Inhaltsverzeichnis

Vergesst nicht bei den anderen Posts zu Mexiko reinzuschauen. Falls ihr noch Lektüre braucht, habe ich noch etwas für euch: Der Reiseführer für eure Mexiko-Reise*.
Das Wichtigste in Kürze
- Hauptreisezeit: Dezember bis Februar (Trockenzeit, Berg oft schneebedeckt), ihr solltet euch vorher informieren, ob der Park aufgrund Wetterbedingungen gesperrt ist. Wir waren im August da (Regenzeit) – es gab zwar keinen Schnee, dafür waren aber deutlich weniger Touristen vor Ort. Im Grunde kann der Berg ganzjährig besucht werden, wobei es von Juni bis Oktober häufiger regnen kann.
- Parkplatz: Euer Auto lasst ihr am besten auf dem Parkplatz beim Parque los Venados (3.725 m), Kosten 50 Pesos, Öffnungszeiten 07:00-15:00 Uhr.
- Besichtigung vom Basecamp / Haupteingang zum Nationalpark Nevado de Toluca (4.160 m) aus: Vom Parkplatz aus entweder bei gutem Wetter mit eigenem PKW (nur unter der Woche oder zeitig am Wochenende) oder auf einem Pickup (empfohlen, 50 Pesos pro Person). Am Haupteingang zahlt ihr weitere 58 Pesos pro Person und könnt relativ schnell die beiden Lagunen erreichen oder den Aufstieg zu den höheren Gipfeln wagen.
- Besichtigung vom Parque los Venados aus: Es gibt viele verschiedene Routen (Beschreibung und Koordinaten können u.a. bei Wikiloc gefunden werden). Offline-Karten sind empfohlen, da es kaum Schilder gibt. Der Aufstieg erfordert Kondition aufgrund der Höhe (vorherige Akklimatisierung erforderlich) und vor allem auf dem Bergkamm muss oft über loses Gestein geklettert werden.
- Toiletten: Gibt es nur am Parque los Venados und am Haupteingang / Basecamp. Haustiere / Hunde sind nicht erlaubt, Drohnen ebenfalls nicht.
- Packliste: Feste Wanderschuhe (ich nutze Stiefel von Han Wag und sehr zufrieden)*, Stöcke*, Helm* (wenn ihr auf einen der Gipfel wollt), warme Kleidung (Thermowäsche*), Regenjacke*, Mütze, Sonnenbrille*, Sonnencreme*, Handschuhe. Ausreichend Flüssigkeit (Wasser, Elektrolyt), Power-Riegel, Handy und Powerbank*. Es gibt nicht durchgehend Handyempfang.
- Übernachtung: In Toluca und im benachbarten Pueblo Mágico Metepec (interessanter) findet ihr ausreichend Unterkünfte. Hier einige Empfehlungen: Fiesta Inn Toluca Centro*, Metepec: Suites Inn La Muralla*, Holiday Inn Metepec*.
Anreise
Von San Luis Potosí aus
Die Anreise von San Luis Potosí aus ist relativ einfach und dauert ca. 5 h (430 km). Fahrt von der Stadt aus auf den bekannten Highway 57D in Richtung Mexiko Stadt. Kurz vor Querétaro könnt ihr euch entscheiden, ob ihr die 57 durch die Stadt oder die 57D östlich um den Stadt nehmen möchtet (in der Regel schneller, aber Maut). Nach Querétaro folgt ihr der 45/57S weiter in Richtung Mexiko-Stadt. Bei La Caseta wechselt ihr auf die 55 in Richtung Toluca/México. Dieser folgt ihr immer weiter bis nach Toluca (unterwegs heißt die auch mal wieder 57 – irgendwie heißt hier jede Straße mal 57^^). Ihr kommt am Municipio Atlacomulco vorbei und irgendwann endlich in Toluca an. Hier geht die 55D in die Av. Paseo Tollocan über. Kurz vor dem Monumento Cristobal Colón verlasst ihr die Straße (rechte Ausfahrt) in Richtung Cd. Altamirano/México 134. Auf der 134 bleibt ihr bis links an den Letras Zinacantepec eine Abfahrt auf die Bundesstraße 10 kommt. Dieser folgt ihr 11 km bis zum Ziel, dem Parque de Los Venados.

Von anderen Orten aus
Toluca ist nur ca. 100 km von Mexiko-Stadt entfernt und kann über die Highways 134D und 15 erreicht werden. Weiterhin besitzt Toluca einen Flughafen, der Direktverbindungen zu Tijuana, Los Cabos, Monterrey, Guadalajara, Puerto Vallarta, Querétaro, Merida und Cancún anbietet.
Übernachtung und Unterkunft
In der direkten Nähe des Berges findet ihr kaum Unterkünfte oder Cabañas, daher solltet ihr euch in Toluca und Umgebung eine Bleibe suchen. Toluca hat ein nettes Zentrum und einige Sehenswürdigkeiten. Viele Kollegen empfehlen aber Metepec. Im Grunde sind beide Städte zusammengewachsen, Metepec wurde jedoch 2012 zum Pueblo Mágico und bietet ein hohes kulturelles und künstlerisches Angebot. Wir wussten das nicht und haben in Toluca im einfachen und günstigen Hotel Don Simon* übernachtet. Es ist schon etwas in die Jahre gekommen, liegt aber in der Innenstadt, Zimmer sind ausreichend groß, ein kostenloser Parkplatz vorhanden und Frühstück konnte gegen kleinen Aufpreis vor Ort gebucht werden.
Alternativen:
- Downtown Toluca: Fiesta Inn Toluca Centro*: Große Zimmer, Fitnessbereich, Parkplatz gegen Aufpreis, gutes Frühstücksbuffet.
- Metepec: Suites Inn La Muralla*: Wellness, Pool, Fitness-Area, kostenlose Parkplätze, inbegriffenes Frühstück – was will man mehr?
- Holiday Inn Metepec*: Direkt in der Nähe der großen Shopping Mal, kostenlose Parkplätze, Fitness, Frühstück inbegriffen.
Weitere Hotels*:
Kein Safe im Hotel? Dann bringt doch einfach euren eigenen mit. Auch am Strand super praktisch: Pacsafe*
Nevado de Toluca
Einleitung
Je nach Website wechseln sich der Nevado de Toluca und der Sierra Negra als vierthöchste Vulkane Mexikos ab. Selbst Wikipedia ist sich nicht sicher und gibt dem Nevado de Toluca mal 4690 m oder mal 4583 m, dem Sierra Negra 4621 m oder 4580 m. Im Grunde ist es auch egal, der inaktive Vulkan ist auf jeden Fall ziemlich hoch und die Luft oben relativ dünn. Er gehört zur Sierra Volcánica Transversal, einer 900 km langen und 130 km breiten, von West nach Ost verlaufenden Gebirgskette, die vermutlich durch das Zusammenrücken des amerikanischen Doppelkontinents entstanden ist. Diese Gebirgskette beinhaltet die höchsten Berge Nordamerikas – sie vereinigt alle mexikanischen Berge über 4.000 m (außer dem Tacaná, wobei der eigentlich auch zu Guatemala gehört):
- Citlaltépetl (5636 m, Pico de Orizaba)
- Popocatépetl (5426 m)
- Iztaccíhuatl (5230 m)
- Nevado de Toluca (4680 m)
- Sierra Negra (4580 m)
- Malintzin (4461 m), auch Malinche genannt
- Nevado de Colima (4260 m)
- Cofre de Perote (4282 m)
- Cerro Tláloc (4158 m)
- Cerro Telapón (4060 m)
Wie ihr seht, gibt es immer noch genug zu tun hier für mich :).
Nevado de Toluca
Im Winter ist der Nevado de Toluca, auch Xinantécatl genannt, mit Schnee bedeckt. Im Sommer taut er aber ab und man sieht den kahlen Berg. Der letzte Ausbruch des Nevado de Toluca fand um 1350 v. Chr. statt. In der näheren Umgebung wurde alles mit einer meterdicken Asche- und Steinschicht bedeckt, die heutigen Hauptstadtregion lag noch unter einer 50 cm Ascheschicht (ca. 100 km entfernt). Zwei Kraterseen mit einer Tiefe von 12 m sind verblieben: Der Lago del Sol („Sonnensee“) und der Lago de la Luna („Mondsee“). Sie gelten zu den höchst gelegenen Seen der Welt und werden von Höhentauchern genutzt.
Der Berg galt lange Zeit als heilig, daher wurden an mehreren Orten präkolumbische Keramikreste gefunden. 1936 wurden Vulkan und Umgebung als Nationalpark mit einer Fläche von knapp 51.000 ha unter Schutz gestellt, 2013 wurde der Nationalpark in ein Naturschutzgebiet umgewandelt, da dies nachhaltigen Tourismus und Erhalt des Ökosystems fördert.
Es gibt mehrere Gipfel, unter anderem den Pico del Fraile (mit 4.690 m am höchsten), Pico del Áquila (Nebengipfel, 20 m niedriger), Oruga, Áquila und Pico Humboldt.
Besteigung des Vulkans
Mit Auto/Pickup zum Haupteingang
Der Nevado de Toluca ist für den Tourismus gut ausgebaut und lässt sich relativ einfach besteigen. Der erste Parkplatz beim Parque de los Venados befindet sich bereits auf einer Höhe von etwa 3.725 m. Hier müsst ihr theoretisch 50 Pesos für Parken bezahlen, von uns wollte aber niemand etwas. Beim Parkplatz findet ihr Toiletten, kleine Cabañas und ab und zu Imbisse für Frühstück und Verpflegung.
Die meisten Leute fahren von hier aus zum Basecamp auf 4.160 m Höhe. Der Feldweg dahin ist bei gutem Wetter einigermaßen gut befahrbar, darf aber nur unter der Woche (und ganz zeitig am Wochenende) mit privatem PKW befahren werden. Die bessere Alternative ist für 50 Pesos pro Person ein Platz auf einem Pickup. Die Fahrt zum Basecamp dauert ca. 40 Minuten. Dort befindet sich der Haupteingang zum Nationalpark Nevado de Toluca und dort müsst ihr auch den Eintritt von 58 Pesos pro Person bezahlen. Vor allem in der Hauptreisezeit (Dezember bis Februar) erwarten euch hier lange Menschenschlangen. Dann solltet ihr so zeitig wie möglich ankommen oder gleich eine geführte Tour buchen.


Vom Haupteingang führt ein Weg in Richtung Süden über einen niedrigen Teil des Bergkammes zu den zwei Lagunen. Ihr müsst erstmal etwa 130 Höhenmeter überwinden, bevor ihr an einer Weggabelung steht. Von dieser aus könnt ihr entweder bergab zu den Seen laufen (das machen die meisten) oder dem Gebirgskamm weiter folgen. Der höchste Gipfel (Pico del Fraile, 4.690 m) befindet sich genau auf der gegenüberliegenden Seite (für eine Umrundung solltet ihr mindestens 4.5 h einplanen). Die Wanderung über den Gebirgskamm ist jedoch nichts für Anfänger: Es müssen weitere 400 Höhenmeter erklommen werden, teilweise durch Klettern über loses Gestein. Helm, Stöcke, richtige Wanderschuhe, genügend Wasser und ordentliche Kondition sind Pflicht!
Super praktisch und platzsparend:*
Zu Fuß vom Parque de los Venados aus
Wir wollten es sportlich angehen und entschieden uns direkt vom Parque de los Venados (3.725 m) zum Pico del Fraile (4.690 m) zu wandern. Der Weg ist leider nicht gut ausgeschildert, doch wir nutzten Offline-Karten und Wikiloc, um uns zu orientieren. Außerdem trafen wir auch weitere Wanderer auf der Route.




Nach längerem moderaten Anstieg ging es ab ca. 4.100 m etwas steiler bergauf. Wolken hingen am Berg und wir standen kurz danach im Nebel. Kurze Zeit dachten wir sogar über einen Abbruch nach.




Zum Glück haben wir uns nicht dafür entschieden, denn die Wolken hingen nur am äußeren Hang der Gipfelkette. Sobald wir denn Kamm erreicht hatten (hier), zeigte sich der Vulkankegel mit den zwei Lagunen von der seiner besten Seite und wir konnten tolle Fotos schießen.




Wir wagten die letzten Höhenmeter in Richtung Osten auf den Pico del Fraile. Auf diesem Weg solltet ihr sehr vorsichtig sein – der Kamm ist nicht breit und ihr klettert teilweise über loses Gestein.






Nach dem Adrenalinschub stiegen wir zurück zum Ausgangspunkt und wanderten durch die Vertiente de los libres zu den Lagunen hinab. Auch hier lauert Gefahr – es geht steil bergab über Sand und Geröll.




Wir umrundeten die Lagunen und wanderten zum Haupteingang des Nationalparks Nevado de Toluca. Nach einer Verschnaufpause fuhren wir auf einem Pickup zum Parque los Venados zurück. Wir wanderten insgesamt ca. 12 km und musste nicht mal Eintritt zahlen, weil keiner zum Kassieren mehr am Basecamp war.




Fazit
Wow! Kurz nach dem Nevado de Colima wagte ich mich auf den Nevado de Toluca. Die Aussicht vom 4.690 m hohen Pico del Fraile über den riesigen Vulkankrater und die beiden Lagunen ist atemberaubend und jede Strapaze wert. Die Wanderung auf den Vulkan war eine der beeindruckendsten, die ich bisher in Mexiko unternommen habe und meine Empfehlung für die sportlichen Abenteurer unter euch.
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