Guanajuato – Die wunderschöne Stadt – Teil 2

Im zweiten Teil meines Berichts über Guanajuato geht es um die Alhóndiga, Callejon de los besos, den Sonnenuntergang und singende Studenten…

 

 

Alhóndiga de Granaditas

Nachdem ich das Geburtshaus von Diego Rivera (siehe Teil 1)verlassen hatte, ging ich weiter entlang der Calle Positos und kam zur Alhóndiga de Granaditas. Dabei handelt es sich um einen Kornspeicher, der 1809 fertiggestellt wurde. Zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges 1810 spielte die Alhóndiga eine große Rolle. Nachdem Anfang September in Dolores (35 km nordöstlich) ein Aufstand gegen die spanische Kolonialherrschaft begann, waren bereits kurz darauf die Rebellengruppen in Guanajuato. Der Intendente der Stadt verbarrikadierte sich deswegen mit seinen Truppen in der Alhóndiga, um auszuharren und auf Entsendung zu warten. Den Aufständischen gelang es die Alhóndiga zu stürmen, indem sie ihre großen Holztüren in Brand setzen. Der Legende nach hat Juan José de los Reyes Martínez Amaro, El Pípila, alleine die Tore angezündet. Eine große Statue auf einem Hügel in Guanajuato erinnert an ihn. Im folgenden Jahr wurde die Alhóndiga von den Spaniern zurückerobert und die Köpfe von Hidalgo, Allende, Aldama und José Mariano Jimenéz wurden an den Ecken der Alhóndiga zur Mahnung aufgehangen. Heute beinhaltet sie ein großes Museum für Heimatgeschichte (Museo Regional de Guanajuato). Es beinhaltet Ausgrabungsgegenstände aus präkolumbianischer Zeit, Exponate aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges bis hin zu Gemälden, Gallerien und Fotoausstellungen. Man kann auch große Wandmalereien von José Chávez Morado und Denkmäler wichtiger Persönlichkeiten des Unabhängigkeitskrieges sehen. Der Eintritt kostet um die 50 Peso, es gibt englische Übersetzungen und man benötigt für den lohnenswerten Besuch mindestens 2h.

 

Vor der Alhóndiga kann man ein tolles Foto mit dem Guanajuato-Schriftzug machen und weiter in Richtung Süden zum Mercado Hidalgo laufen. In diesem gigantischen Markt kann man von Lebensmitteln bis hin zu typischen traditionellen Kleidungsstücken und Souveniren alles kaufen. Ein Besuch lohnt sich allein schon aufgrund der Atmosphäre zwischen den vielen Läden der Händler. Verlässt man den Markt später an östlicher Seite, so betritt man ein Areal mit unzähligen Fressbuden. Von den Balkonen der Restaurants aus wird man auch gleich angesprochen, was man essen möchte.

 

Callejón del Beso

Mein Weg ging weiter, entlang der Avenue Benito Juarez nach Osten. In der Nähe eines kleines Parks kann man nach rechts in die Calle Patrocinio abbiegen. Folgt man dieser, erreicht man die Callejón del Beso, ein kleines Gässchen in dem sich vorbeilaufende Pärchen küssen müssen. Die Story hinter diesem Ort erinnert sehr stark an Romeo und Julia: Ein reicher Vater hatte eine sehr schöne Tochter namens Doña Carmen. Natürlich suchte er nach einem reichen Ehemann um ihres Standes gerecht zu werden und wollte nicht, dass sich seine Tochter in einen armen Jungen aus der Minenstadt verliebt. Dennoch traf Doña Carmen den armen Minenarbeiter Don Luis in einer Kirche in der Nähe ihres Hauses, ohne dass der Vater davon wusste. Als der Vater von der Liebschaft erfuhr, sperrte er seine Tochter zu Hause ein und arrangierte eine Vermählung mit einem viel älteren, reichen spanischen Ehrenmann. Natürlich war das nun Doña Brigada heißende Mädchen extrem traurig und bat ihren Ehemann sie niemals gegen ihren Willen mit nach Spanien zu nehmen. Als Don Luis von der Vermählung erfuhr und herausfand, dass er nicht mehr zu seiner Geliebten sprechen durfte, war er ebenfalls traurig und als er oft an ihrem Haus vorbeiging, stellte er fest, dass das Fenster des Hauses gegenüber direkt dem Fenster des Schlafzimmers der Doña gegenüberlag. Er versuchte das Haus zu kaufen, da es ein Weg war, mit seiner Geliebten in Kontakt zu bleiben. Der Eigentümer setzte einen viel zu hohen Preis an, jedoch bot Don Luis sein gesamtes Eigentum um kaufte das Haus. Von nun an trafen sich die beiden Liebenden jeden Abend auf den gegenüberliegenden Balkonen und schworen sich ewige Liebe. Natürlich erfuhr der Vater von der Liebschaft der Tochter auf dem Balkon jeden Abend und als er die beiden dort küssend vorfand, nahm er einen Dolch und erstach seine Tochter. Don Luis gab seiner sterbenden Geliebten noch einen letzten Kuss bevor sie starb. Er stellte fest, dass er ohne seine geliebte Carmen nicht leben kann und stürzte sich später in den Schacht der Mina de la Valenciana.

 

 

El Pípila

Nachdem ich einige Fotos der kleinen Gasse und der Balkone gemacht hatte (man kann übrigens einen der Balkone auch betreten), ging ich zurück zum Teatro Juarez, denn hinter diesem kann man mit einer Bahn (Funicular) auf einen Berg in der Mitte der Stadt fahren (eine Fahrt kostet 25 Peso, man kann auch laufen). Auf diesem Berg steht ein Denkmal des bereits erwähnten Pípila (Juan José de los Reyes Martínez Amaro, Monumento al Pípila Guanajuato). Vom Monument aus hat man einen tollen Blick über die gesamte Stadt und da es schon abends war, wartete ich etwa eine Stunde und beobachtete den Sonnenuntergang. Nachdem die Sonne verschwunden war, konnte man den ganzen Glanz Guanujatos sehen, denn alle Denkmäler, Kirchen und Einrichtungen werden von Lichtern sehr hell angestrahlt. Der Anblick ist wunderschön, aber seht selbst.

 

Callejoneada Tour

Gegen 21 Uhr begab ich mich erneut zum Plaza de La Paz, denn von dort nahm ich an einer genialen Tour teil. Man zahlt 100 Peso und folgt dann einer Gruppe von singenden Studenten (mit Instrumenten, ähnlich wie Mariachi) durch die Stadt. Diese Events, auf denen typsiche mexikanische Volkslieder gesunden werden, heißen Callejoneadas. Unterwegs gab es einige interessante Geschichten und lustige Lieder, außerdem auch ein kleines Glas mit Traubensaft. Spätestens bei Cielito Lindo begannen auch alle Teilnehmer der Tour zu singen, tanzen und klatschen. Die Tour dauerte insgesamt ca. 1,5h und ist ein MUSS wenn man hier ist :). Man findet diese Gruppen am Abend in verschiedensten Teilen der Stadt.

Im dritten und letzten Teil meiner Serie über Guanajuato spreche ich über Mumien, eine wunderschöne Hacienda und meinen Rückweg, auf dem ich dem Christus von El Culiete auf 2580m einen Besuch abgestattet habe. Außerdem gibt es noch ein paar weitere Eindrücke dieser schönen Stadt und eine Karte meiner Tour. Es lohnt also weiterhin dabei zu bleiben :).



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